Studie der AOK : Termin beim Augenarzt? Am besten in Süd-Brandenburg

Rund 40 Prozent der Patienten dürfen erst nach vier Wochen zur Untersuchung. Ausgerechnet in Berlin warten sie länger als in Brandenburg.

von
Warten in der Praxis ist schon mal gut. Bis dahin dauert es Wochen - wohl auch dort, wo es viele Ärzte gibt.
Warten in der Praxis ist schon mal gut. Bis dahin dauert es Wochen - wohl auch dort, wo es viele Ärzte gibt.dpa

Ärgerlich, gerade weil die Lage schon seit Jahren angespannt ist: In vielen Orten warten Patienten wochenlang auf einen Termin beim Facharzt – ob Urologe, Orthopäde oder Augenarzt. Die Wartezeiten leugnet die größte Krankenkasse der Region nicht, schließlich bezahlt die AOK die Ärzte mit dem Geld ihrer Versicherten. Weil die AOK aber gut informiert sein möchte, hat sie ihr neues Gesundheitswissenschaftliches Institut Nordost mit einer Studie beauftragt. Ergebnis: In 40 Prozent der Fälle warten Patienten trotz Überweisung mehr als einen Monat auf einen Termin beim Augenarzt – doch mehr Ärzte führen nicht zu schnelleren Terminen.

Ein Team um den AOK-Medizininformatiker Thomas Zahn hat 290 000 Überweisungen zu Augenärzten aus Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern aus 2011 und 2012 ausgewertet. Die AOK-Patienten warteten dort am längsten, wo es die meisten Augenärzte gibt: in Berlin. Und es ging dort am schnellsten, wo es weniger Augenärzte gibt: im Brandenburger Süden.

In Berlin gehen viele ohne Termin zum Facharzt

Ein niedergelassener Augenarzt kommt in der Hauptstadt im Schnitt auf 10 000 Einwohner. Bald 45 Prozent der Patienten warteten vier Wochen. Im Brandenburger Süden müssen sich zwar noch mehr als 10 000 Einwohner eine Augenarztpraxis teilen. Dennoch warten in den Kreisen Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz weniger als 35 Prozent der Patienten so lange. „Es liegt also nicht nur an der Menge der Ärzte“, sagte Zahn.

In Ballungszentren sei die Lage trotz höherer Arztdichte wohl deshalb angespannter, weil es deutlich mehr Privatpatienten gebe. Außerdem gingen in Berlin viele Patienten auch ohne Überweisung zum Arzt – im Glauben daran, dass es eben genug Praxen gebe. In Südbrandenburg profitierten die Patienten dazu von einem eingespielten Netzwerk aus alteingesessenen Haus- und Fachärzten. So kann ein Allgemeinmediziner seine Patienten, die er oft seit Jahren kennt, in bestimmten Fällen zum Optiker schicken statt zum Augenarzt.

Trotz der AOK-Studie dürften die Wartezeiten in Brandenburg aber langfristig eher länger werden. Viele Orte außerhalb des Berliner Umlands werden von jungen Medizinern gemieden, günstige Preise für Praxen und Häuser haben daran wenig geändert. Auch Brandenburger Kliniken und Gesundheitsämter suchen oft lange nach Fachärzten. Über Wartezeiten für gesetzlich Versicherte wird in der Politik seit Jahren debattiert. Nach einer Umfrage der Kassenärztlichen Bundesvereinigung müssen elf Prozent der gesetzlich Versicherten länger als drei Wochen auf einen Arzttermin warten. Bei privat Versicherten sind es nur vier Prozent. Am längsten sind die Wartezeiten bei Psychiatern, Kardiologen, Frauenärzten, Urologen, Hautärzten, Orthopäden und eben Augenärzten.

Informationen zu Berliner Facharztpraxen, auch Augenärzten, finden Sie unter www.gesundheitsberater-berlin.de

4 Kommentare

Neuester Kommentar