Berlin : Studie der Humboldt-Universität: Eltern und Kinder sind gegen Zensuren

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Einen Tag vor Ausgabe der Halbjahreszeugnisse hat die Humbodt-Universität (HU) ein erstaunliches Umfrageergebnis veröffentlicht: Die gegenwärtig üblichen Notenzeugnisse haben unter Kindern und Eltern kaum Anhänger. Die Mehrheit wünscht sich ergänzend Kommentare oder Gespräche. Dies ergab eine Studie, bei der mehrere hundert Berliner schriftlich befragt wurden. Gefördert wurde das Projekt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Lediglich für die erste Klasse gab es ein klares Votum zugunsten einer rein verbalen Beurteilung. Vom dritten Schuljahr an wird dann von den Betroffenen geurteilt, dass es Noten geben müsse. Da die verbale Beurteilung aber "genauer über das Kind informiert", möchten sie, dass die Noten durch schriftliche Kommentierungen ergänzt werden. Professorin Renate Valtin nannte es "völlig überraschend", dass das gegenwärtige reine Notenzeugnis so gut wie keine Anhänger habe. "Betrüblich" findet sie es, dass die Eltern mehrheitlich die Meinung vertraten, dass die verbale Beurteilung die Kinder "nicht genügend auf den Ernst des Lebens vorbereitet". Im Rückblick auf ihre bisherige Schulzeit wünschten sich von den knapp 500 befragten Sechstklässler nur zehn bis 20 Prozent ein reines Notenzeugnis.

Die linke Schülerinnen-Aktion ruft heute um 13 Uhr wieder zum Verbrennen der Zeugnisse vor dem Roten Rathaus auf, um gegen den "ungerechten und unterdrückenden Charakter von Noten" zu protestieren. Nicht dabei sein dürften wohl die Zehntklässler, die sich mit ihrem Halbjahreszeugnis um eine Lehrstelle bewerben müssen. Die Neuköllner Heinrich-Heine-Realschule gibt sogar noch ein Zusatzzeugnis dazu mit den sogenannten Tugendnoten für Fleiß und Ordnung, damit die Lehrherren vom Schüler mehr erfahren als nur die womöglich schlechten Fach-Zensuren.

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