Studie : Jeder zweite Berliner leidet an Schlafstörungen

Jeder zweite Berliner leidet einer Studie der DAK zufolge unter Schlafstörungen. 150.000 Erwerbstätige in Berlin haben sogar hochgradige und andauernde Schlafprobleme, mit 23,5 Prozent liegt ihre Zahl in Berlin deutlich höher als im Bundesdurchschnitt.

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Wer abends partout nicht einschlafen will, nachts häufig aufwacht oder nach einer langen Nachtruhe morgens immer noch müde ist, muss sich nicht als Außenseiter fühlen. Jeder zweite Berliner leidet einer Studie der Deutschen-Angestellten-Krankenkasse zufolge unter Schlafstörungen. 150 000 Erwerbstätige in Berlin haben sogar hochgradige und andauernde Schlafprobleme, mit 23,5 Prozent liegt ihre Zahl in Berlin deutlich höher als im Bundesdurchschnitt (21,1 Prozent). In einer Befragung unter 3000 Berufstätigen zwischen 35 und 65 Jahren gaben 39,7 Prozent der Schlafgestörten an, häufigste Auslöser seien Stress und hohe Belastungen, an zweiter Stelle standen Grübeleien, Sorgen und Ängste mit 24,2 Prozent. Auch Schichtarbeit und wechselnde Arbeitszeiten führte ein Fünftel als Auslöser an. Gerade in Berlin, wo in vielen Dienstleistungsberufen fast rund um die Uhr gearbeitet werde, kämen Familien kaum noch zur Ruhe, sagte DAK-Landeschef Herbert Mrotzeck. Lärm und künstliches Licht wirkten sich ebenfalls nachteilig auf die innere Uhr aus: „Die Hauptstadt ist einfach heller und lauter“, bestätigte Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité den Berliner Schlaflosigkeitstrend.

Auch wenn sie sich nicht wesentlich auf den Krankenstand auswirkten, haben Klagen über Schlafstörungen laut Analyse der DAK zwischen 2005 und 2009 um 80 Prozent zugenommen. Doch nur 42 Prozent der Befragten behandelten sie mit Medikamenten, die von einem Arzt verschrieben wurden. Es überwiege der Griff in die Hausapotheke. Mit negativen Folgen: „Je länger die Schlafstörung nicht behandelt wird, desto schwerer ist es, damit zu beginnen“, sagt Schlafmediziner Fietze. Seine Patienten hätten häufig eine Odyssee von ein bis zwei Jahren hinter sich, ehe sie in der Klinik behandelt würden. „Es gibt zu wenig ambulante Anlaufstellen, das ist ein Problem“, sagt Fietze. In Berlin gibt es laut DAK neun Schlaflabore in Kliniken. Verhaltenstherapeutische Maßnahmen seien bei der Behandlung ebenso wirksam wie Medikamente, jedoch langwierig und sehr teuer. Körperlich abhängig machten die meisten neueren Schlafmittel zwar nicht. „Allerdings kann die abendliche Tablette schnell zum Ritual werden, dass man sich schwer wieder abgewöhnt“, so Fietze.

Im Vergleich zum Bundesschnitt leiden die Berliner zudem um 33 Prozent häufiger an psychischen Erkrankungen. Die Schlafstörungen seien dabei nicht immer nur Symptome, so Fietze: „Hinter der Diagnose Depression steckt manchmal auch eine chronische Schlafstörung.“

Insgesamt sind laut DAK-Report die Berliner häufiger und länger krank als der Durchschnitt der Bundesbürger. Die DAK wertet dazu jährlich die Arbeitsunfähigkeitsmeldungen ihrer Mitglieder aus. Demzufolge stieg der Krankenstand hierzulande von 3,8 auf 3,9 Prozent der Erwerbstätigen 2009 leicht an, im Bundesschnitt sind es 3,4 Prozent. Ein Berliner Erwerbstätiger war im Schnitt 14,2 Tage krank. Bei den Erkrankungen liegen die Atemwegserkrankungen vorne, gefolgt von Muskel-Skeletterkrankungen und psychischen Erkrankungen. Der harte Winter hat sich auch in den Krankheitskosten niedergeschlagen: Um fast dreißig Prozent ist die Zahl der Knochenbrüche im Januar im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, in Berlin wurden 240 Frakturen bei der Kasse abgerechnet. Die DAK prüfe derzeit Regressansprüche gegen Grundstückseigentümer, die ihrer Streupflicht nicht nachgekommen sind, darunter auch das Land Berlin.

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