Berlin : Studie: Künstler pfuschte am Pamukkale-Brunnen

Kreuzberger Baustadtrat hat wenig Hoffnung auf Schadensersatz

Christoph Villinger

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg bleibt möglicherweise auf den Sanierungskosten für den maroden Pamukkale-Brunnen im Görlitzer Park sitzen. Dies befürchtet Baustadtrat Franz Schulz (Grüne), nachdem der Berliner TU-Professor Manfred Specht als Gutachter den Bildhauer und Architekten Wigand Witting für die zerbröselnden Steine verantwortlich macht. Der Baustadtrat macht sich wenig Hoffnung, dass Witting ausreichend versichert ist und im Falle einer Verurteilung zum Schadensersatz die für die Sanierung notwendigen 1 bis 1,5 Millionen Euro bezahlen kann. Witting, der in Frankreich und Portugal lebt, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Nach dem jahrelangen Rechtsstreit um die Frage, wer für die Frostschäden am Pamukkale-Brunnen verantwortlich ist, liegt dem Landgericht jetzt das entscheidende dritte Gutachten vor. Für Schulz bestätigt „die wissenschaftlich akribisch durchgeführte Studie, was jeder Laie sieht“. Der Architekt habe den „falschen Stein ausgewählt, der bei Frost wie Biskuit zerbröselt“.

Witting dagegen machte die ausführenden Baufirmen und einen ungeeigneten Unterbau verantwortlich. Nach Einschätzung eines Mitarbeiters einer beteiligten Tiefbaufirma seien Witting schon beim Bau des Brunnens von dem zuständigen Planungsbüro zu viele Freiheiten gelassen worden. Der nach dem Vorbild der Kalkstein-Terrassen im türkischen Pamukkale geformte und für 3,5 Millionen Mark gebaute Brunnen sprudelte 1998 nur für sechs Wochen. Dann stellte man ihn wegen der Winterpause ab. Im Frühjahr darauf zeigte sich, dass der portugiesische Kalkstein dem Frost nicht standgehalten hatte. Seitdem sind die beiden maroden Flügel des Brunnens eingezäunt, jeder Winter verursacht weitere Schäden.

Als im Sommer 2000 der Streit vor dem Berliner Landgericht ausgetragen wurde, legten beide Seiten ihre jeweilige Position stützende Gutachten vor. Daraufhin bestellte Richter Hawickhorst bei Specht ein drittes Gutachten. Mit einem Urteil ist noch vor der Sommerpause zu rechnen.

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