Berlin : Studie: Weniger Drogentote durch Fixerstuben

Bundesdrogenbeauftragte veröffentlicht positive Erfahrungen mit Druckräumen in anderen Städten, doch in Berlin kommen Projekte nicht voran

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Von Ingo Bach

Durch die Einrichtung von Fixerstuben könnte die Zahl der Drogentoten in Berlin erheblich zurückgehen. Außerdem lässt sich mit Hilfe der Druckräume die offene Fixerszene effektiv zerschlagen. Im Umfeld der Stuben kann die Polizei auch wirkungsvoll gegen Dealer vorgehen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Bundesdrogenbeauftragten Marion Caspers-Merk über Erfahrungen mit Fixerstuben in anderen Städten. In Berlin ist die Finanzierung von Druckräumen gesichert, nur die CDU lehnt sie ab. In den vergangenen Monaten kam der Senat mit seinem Vorhaben aber nicht so recht voran.

Nachdem sich die rot-rote Koalition auf die Einrichtung von Fixerstuben verständigt hatte, wird nun um ihre Form gestritten: Soll man sie stationär einrichten oder mobil in alten BVG-Bussen? Wie dringlich die Drogendruckräume sind, haben nun allerdings die Ergebnisse der Studie aus Sicht der Bundesdrogenbeauftragten erneut deutlich gemacht.

Im vergangenen Jahr starben in Berlin 189 Drogensüchtige an einer Überdosis Rauschgift, 36 weniger als noch im Jahr 2000. Dieser Abwärtstrend könnte sich nach der Eröffnung von Druckräumen fortsetzen, weil die Stuben nach den Erkentnissen der Studie in erster Linie von schwerst Drogenabhängigen genutzt werden. Sie konsumieren dort unter medizinischer Aufsicht harte Drogen und erhalten ihren Stoff aus der Hand des ärztlichen Personals.

Der Tagesspiegel erhielt vorab einen Einblick in die Ergebnisse der Studie, die vor einem Jahr vom Bundesgesundheitsministerium in Auftrag gegeben wurde. Ein Wissenschaftler-Team wertete Erfahrungen von 22 Druckräumen in Frankfurt/Main, Hannover, Hamburg, Saarbrücken und mehreren anderen Städten aus. Dabei stellten sie fest, dass 90 Prozent der Besucher von Druckräumen seit mehreren Jahren opiatabhängig waren. Dennoch gab es in den untersuchten Fixerstuben keinen einzigen Todesfall – und das bei insgesamt 2,1 Millionen Besuchern während der vergangenen zehn Jahre. Fazit der Wissenschaftler: In Drogenkonsumräumen ist „das Risiko an (...) Folgen des Konsums illegaler Drogen zu sterben gleich null.“

Auch insgesamt ging die Zahl der Drogentoten in den untersuchten Städten signifikant zurück. Der Trend zeige eindeutig nach unten, heißt es. Eine Prozentzahl will man allerdings nicht nennen, da die Quote auch von anderen Faktoren abhängt. Überdies sei es beispielsweise in Frankfurt/Main gelungen, die Süchtigen mit Hilfe der Polizei konsequent von der Straße in die Fixerstuben zu drängen, die offene Drogenszene sei dadurch von den Straßen verschwunden.

Dies bestätigte der Frankfurter Oberstaatsanwalt Harald Hans Körner kürzlich bei einer Anhörung vor dem Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Nach seinen Worten gibt es in der Mainmetropole auch rund um die Druckräume keine gravierenden Sicherheitsprobleme. Die Polizei schütze die Fixerstuben und deren Umgebung erfolgreich gegen Übergriffe von Dealern und verhindere deren Einsickern. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten sich allerdings Polizei, Staatsanwaltschaft, Sozialarbeiter und Gesundheitsbehörden bestens absprechen.

Eine offene Drogenszene gibt es aus Sicht von Beobachtern beispielsweise am Kottbusser Tor oder am U-Bahnhof Kurfürstenstraße. Auch dort sind Fixerstuben geplant.

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