• Studienkonten sind in der PDS umstritten Wissenschaftssenator Flierl stellte sein Modell bei einer Anhörung vor

Berlin : Studienkonten sind in der PDS umstritten Wissenschaftssenator Flierl stellte sein Modell bei einer Anhörung vor

Sabine Beikler

Das Wort „Strukturveränderung“ passt in der Berliner Politik eigentlich immer: Das schmale Finanzkorsett der Stadt zwingt den Senat und das Parlament, unaufhörlich zu überlegen, wo noch das eine oder andere gespart oder eingenommen werden kann. Im Hochschulbereich streitet die SPD-PDS-Koalition um die Einführung von Studiengebühren: Die Sozialdemokraten favorisieren dies, die Sozialisten lehnen dies mehrheitlich ab. Der Wissenschaftssenator Thomas Flierl versucht einen dritten Weg – mit seinem Modell der „Studienkonten“. Carola Freundl, stellvertretende PDS-Fraktionschefin, pries das Konzept am Freitag zu Beginn einer Anhörung am Freitag im Abgeordnetenhaus. Mit Studienkonten könne man die „Studierbarkeit“ erhöhen sowie Studium, Arbeit und Familie besser verbinden. Doch das Flierlsche Modell können nicht alle Genossen gutheißen. Benjamin Hoff, wissenschaftspolitischer Sprecher der PDS, sagte: „Ich lehne das Studienkonten-Modell ab.“

Vor Studenten-Vertretern und Wissenschaftlern verteidigte Flierl die Studienkonten, die er einführen will. „Die Lehre wird aufgewertet, die Gelder werden leistungsbezogener ausgereicht, und außerdem bekommt der Student ein Instrument in die Hand, seine Ausbildung individuell zu regeln.“ Worum geht es bei dem Modell? Jeder Student bekommt 360 „Credit-Points“ zu Beginn seines Studiums. Für jede Veranstaltung werden Punkte abgebucht. Erwirbt er einen Leistungsnachweis, werden die Punkte auf seine Haben-Seite verbucht. Mit den Konten will Flierl die Studierenden motivieren, ihr Studium schnell abzuschließen. Wer zu oft Credits ohne Erfolg verbraucht, muss neue kaufen. Zurzeit sind 500 Euro pro Semester für Langzeitstudierende geplant. Aber auch die Universitäten sollen belohnt werden, wenn die Studienkontenbilanz zeigt, dass bei ihnen viele Studenten effizient studieren können.

Viele Studierende lehnen das Modell ab, weil sie dahinter doch die schleichende Einführung von Studiengebühren vermuten. Die Studierenden hätten außerdem nur indirekten Einfluss auf die Qualität der Lehre.

Flierl will mit seinem Modell zehn Millionen Euro pro Jahr einnehmen. Doch noch hat er keine parteiinterne Mehrheit hinter sich. Auf einem Landesparteitag Anfang nächsten Jahres werden sich die Sozialisten mit den Studienkonten befassen.

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