Berlin : Studio Hamburg zieht es nach Berlin

Filmproduktion will mehr als bisher an der Spree drehen – weil an der Elbe Fördergeld gestrichen wird

Günter Beling

Berlin baut seine Stellung in der Medienbranche aus. Der Chef von Studio Hamburg, Martin Willich, kündigte an, dass Film- und Fernsehproduktionen seines Unternehmens und anderer Medienfirmen aus Hamburg in die Hauptstadt verlagert werden. Der Grund sind weitreichende Streichungen der Hamburger Filmförderung. Wie viele Arbeitsplätze in Berlin neu entstehen, ist noch offen. Der Standort Hamburg soll aber erhalten bleiben. Insgesamt sind 900 Mitarbeiter für Studio Hamburg tätig. Der Jahresumsatz: 270 Millionen Euro.

„Gnadenloses Sparen“ hat Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) angekündigt – jetzt traf es die Filmförderung: Sie wird von 7 auf 3,5 Millionen Euro gekürzt. Die Medienbranche ist aufgebracht. Am 23. Juli tagt der Aufsichtsrat von Studio Hamburg, dort will Willich die Folgen der gekappten Förderung darlegen. Die Diskussion werde nicht zugunsten Hamburgs ausgehen, so der Chef des NDR-Tochterunternehmens: „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir in Berlin schon ein Standbein haben.“ Er vermutet: „Nicht nur Studio Hamburg, die ganze Branche wird sich verlagern.“ Zuletzt hatte MTV seine Sitze aus Hamburg und anderen deutschen Städten nach Berlin verlegt, auch Universal Music zog von der Elbe an die Spree. Um Warner Music gab es ein Monate langes Tauziehen.

Gestern war verhandelte der Studio-Hamburg-Chef in Berlin mit dem französischen Unternehmen Vivendi Universal, das das Studio Babelsberg verkaufen will. Der frühere CDU-Bürgerschaftsabgeordnete äußerte sich begeistert: „Berlin besitzt eine unglaubliche kulturelle Infrastruktur, eine schauspielerische Fülle von großartigen Gesichtern, eine Vielfalt an Theatern und Musikgruppen. Das hat eine ungeheure Anziehungskraft auf die Branche.“ Die Streichungen des CDU-Senats in Hamburg nennt Willich „verheerend“. Mit nur 3,5 Millionen Euro brauche Hamburg keine Filmförderung mehr zu machen: „Wir haben die Musikbranche schon in wesentlichen Teilen verloren, jetzt folgen Film und Fernsehen.“ Nun könnten auch NDR und ZDF ihre Zahlungen an die Filmförderung reduzieren, bisher je eine Million Euro. Auch „Kollateralschäden“ in der Media School Hamburg hält Willich für möglich. Filmförderung sei ein Geschäft für jeden Standort, sagte er. „Da kommt jeder Euro zwei- und dreifach zurück.“ Und Berlin verfüge über Fördermittel „in einer Größenordnung, von der Hamburg nur träumen kann“.

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