Berlin : Stuntman ertrank bei Dreharbeiten

Der 39-jährige Berliner raste mit einem Auto in den Teltowkanal Doch dann konnte er sich nicht rechtzeitig aus dem Wagen befreien

Tanja Buntrock

Eine rasante Autofahrt. Der Hauptdarsteller rast durch eine Holzwand in den Teltowkanal. Natürlich überlebt der Held dennoch. So sollte sich die Szene für den ZDF-Film eigentlich abspielen. Doch bei den Aufnahmen am Mittwochabend in Steglitz lief es nicht planmäßig: Der 39-jährige Stuntman, der den Schauspieler Armin Rhode doubelte, verunglückte tödlich. Weshalb es dem Vater eines fünfjährigen Sohnes nicht gelang, den Wagen zu verlassen, blieb zunächst unklar. Auf den Filmaufnahmen sei aber zu sehen, dass sich das Auto unvorhergesehen nach vorne hin überschlagen hat, hieß es beim ZDF. Anschließend stürzte der Wagen mit dem Kühlergrill voran ins Wasser.

Vorsorglich bereitstehende Taucher versuchten vergeblich, den Mann zu retten. Wenig später bargen sie das Wrack vom Kanalgrund. Doch Wiederbelebungsversuche blieben vergebens. Das Landesamt für Arbeitsschutz ermittelt, ebenso die Polizei. Unter anderem wird geprüft, ob alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden waren.

Beim ZDF sind die Mitarbeiter bestürzt. Die Dreharbeiten zu der „temporeichen Komödie“, die in Berlin und im Umland spielt, haben vor etwas über einer Woche begonnen. Einen Ausstrahlungstermin für den Film gebe es noch nicht, sagt ein Sprecher des Senders. Wegen des Unfalls würden die Dreharbeiten erst einmal unterbrochen.

In dem Film spielt Rohde einen Bewährungshelfer, dessen Leben durch die vom Pech verfolgte Emma (Anja Kling) aus den Fugen gerät. In der Vorankündigung zu der Komödie werden „rasante Wortgefechte, explosive Action und Slapstick“, versprochen.

Bitter klingt das für die Kollegen des Stuntmans. „Das ist das erste Mal, dass einer unserer Leute bei der Arbeit tödlich verunglückt ist“, sagt ein Mitarbeiter der Firma „Action Unlimited“. Sie wurde für die ZDF-Produktion beauftragt. Auch der 39-jährige Berliner war freiberuflich seit acht Jahren für dieses Unternehmen tätig. Laut ZDF habe die Babelsberger Stuntfirma einen „ausgezeichneten Ruf“, im Filmpark Babelsberg präsentiert sie eine Stuntshow. Die Kollegen können sich das Unglück überhaupt nicht erklären. „Er war ein total erfahrener, routinierter Mann“, sagt ein Mitarbeiter. Vor allem sei er auf Auto- und Motorradstunts spezialisiert gewesen. Eine solche Szene, wie sie in dem Fernsehfilm konzipiert ist, „dürfte für ihn überhaupt kein Problem gewesen sein“, sagt der Kollege. Der verunglückte Stuntman hat für allerlei kleinere Produktionen und Serien gearbeitet, aber auch für Hollywood-Streifen wie „Die Bourne Verschwörung“ mit Matt Damon und „In 80 Tagen um die Welt“ mit Jackie Chan. Beide Filme wurden teilweise in Berlin gedreht.

Einen Titel für die ZDF-Komödie, die als „Fernsehfilm der Woche“ laufen soll, gibt es noch nicht. Bislang existiert lediglich ein Arbeitstitel. „Ein Unglück namens Emma“. Dieser Arbeitstitel wird nun geändert.

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