Berlin : Sturm im Wasserbecken

Kevin Costner stellte seinen Rettungsschwimmer-Film „The Guardian“ vor

Andreas Conrad

Gut zwei Meter hohe Wellen – bei Neptun, das ist nicht ohne. „Du gehst darin verloren, kannst nicht mehr sehen, wer neben dir ist.“ Wenngleich es also im Wasserbecken auf dem Set zu „Jede Sekunde zählt – The Guardian“ keine Sieben-Meter-Monster wie im Meer gab – ein Badeurlaub waren die Dreharbeiten nicht, daran lässt Kevin Costner keinen Zweifel.

Plakat und Szenenfotos zieren die Suite im Regent-Hotel am Gendarmenmarkt, Ort des 20-minütigen Tête-à-Tête. Auf denen schwappt und spritzt es gewaltig, die Computertechnik vermag heute viel, wer will da noch im Ozean drehen. Für ihn als Schauspieler eine zusätzliche Hürde, die per Imagination zu überwinden ist? Costner antwortet ruhig, präzise, nicht mit einem allgemeinen Wortschwall wie so viele seiner Kollegen, nur sein rechtes Bein wippt unruhig auf und nieder. Nein, diesmal musste er nicht gegen die Special Effects anspielen, nicht sich vorstellen, dass der Tennisball vor der Green Screen ein Monster sei. Die Wellen im Pool waren realistisch genug. Und Schauspieler in einen richtigen Orkan reinzuschicken gehe doch nicht.

Irgendwo im Hotel werden jetzt auch Kollege Ashton Kutcher und Regisseur Andrew Davis in Zimmern sitzen und Fragen zu ihrem gemeinsamen Film beantworten, der am Sonntagabend im Kino International Deutschland-Premiere hatte und am 19. Oktober in die hiesigen Kinos kommt: die Geschichte zweier Rettungsschwimmer der U.S. Coast Guard, Costner in der Rolle des erfahrenen Lehrers, Kutcher in der des jungen Draufgängers, die Geschichte einer langsam sich entwickelnden, in einem riesigen Orkan mündenden Männerfreundschaft.

Costners Vorbereitung auf die Rolle begann genau genommen mit fünf, da hat Klein-Kevin schwimmen gelernt. Heute verspürt Costner zwar keine besondere Affinität zum Wasser, aber er fühlt sich wohl darin, beim Kraulen, Schnorcheln oder Tauchen – nicht ohne gebührenden Respekt vor dem nassen Element. Einen Monat vor Drehbeginn begann er zu trainieren, Mitschwimmer Ashton Kutcher noch früher, aber der muss ja viel öfter ins Wasser. Der physische Teil der Rolle sei die größere Herausforderung gewesen, erzählt Costner, man sollte ihm doch glauben, dass er tatsächlich die Arbeit eines Rettungsschwimmers leisten könne.

Aber leicht war für ihn auch der emotionale Teil der Rolle nicht, das sei er nie. „Die Leute denken immer, das Spielen fließe mir zu, nennen mich einen natürlichen Schauspieler“, sagt Costner, der darin nur das Ergebnis harter Arbeit sieht. Es stimme schon, wegen Körpergröße, Aussehen und Ähnlichem erhalte er immer spezielle Rollen, die einen Film tragen. „Aber es ist nicht so, dass ich morgens aufstehe und sage, das spiele ich jetzt. Ich arbeite sehr bewusst an meiner Darstellung, damit es natürlich aussieht.“ Das Publikum solle in der Figur menschliches Verhalten wiedererkennen, den Schauspieler dahinter aber vergessen.

Gleichzeitig Regie zu führen macht er ungern, die Zeit, die er als Schauspieler brauche, für die Maske, das Kostüm, das Spiel, fehle ihm als Regisseur – und umgekehrt. Dennoch hat er fürs nächste Jahre Regiepläne, einen Cowboyfilm, das Genre mag er besonders. Noch gebe es Widerstand in Hollywood, man sorge sich um den europäischen Markt, auf dem Western nicht gut liefen. Aber solchen Gegenwind kennt Costner schon von „Der mit dem Wolf tanzt“, als man ihn drängte, die Hauptrolle für „Jagd auf ,Roter Oktober‘“ zu übernehmen, die dann Sean Connery spielte. „Das war das erste Mal, dass ich in Hollywood Feindseligkeit spürte“, erinnert sich Costner. „Aber was sollte ich tun? Die angebotene Rolle war gut, aber ich war nun mal mit meinem eigenen Projekt gebunden.“ Nachträglich gesehen eine kluge Entscheidung: sieben Oscars! Damit hatte sich Costner in Hollywood endgültig freigeschwommen.

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