Berlin : Sturmflucht

Stephan Wiehler

Müssen wir uns Sorgen machen um die Stabilität der parlamentarischen Demokratie im Land Berlin? Gestern reichte ein Gerücht, und das Berliner Abgeordnetenhaus löste sich buchstäblich in Windeseile auf. Wer das Gerücht in die Welt gesetzt hatte, wird sich wohl so wenig klären lassen wie die Frage, welcher Schmetterling am anderen Ende der Welt mit seinem Flügelschlag den Anstoß für das Sturmtief Kyrill gegeben hat. Plötzlich war es da, wie aus dem Nichts, tuschelte sich durch die Reihen der Fraktionen. Ab 20 Uhr, hieß es, führe die BVG nicht mehr. Keiner käme mehr nach Hause.

Keine Orkanstärke schien die Abgeordneten mehr zu schrecken als die Vision, eine ganze Nacht miteinander verbringen zu müssen. Die Sitzung wurde am frühen Abend abgebrochen, die Volksvertreter zerstreuten sich, und vermutlich ist dem Land dadurch ein größerer Sturmschaden erspart geblieben: eine gereizte Nachtdebatte, Misstrauensanträge, am Ende gar Neuwahlen. Wie gut, dass wir ein Feierabendparlament haben.

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