Berlin : Sturmwarnung – Kinder dürfen heute zu Hause bleiben

Feuerwehr befürchtet schwere Schäden. Die stärksten Böen werden von 16 Uhr an erwartet

Tanja Buntrock[Moritz Honert],Susanne Vieth-En

Angesichts der massiven Sturmwarnungen für Berlin und Brandenburg haben Berlins Eltern heute die Möglichkeit, ihre Kinder zu Hause zu behalten. „Die Eltern sind dafür verantwortlich, ob sie ihr Kind zur Schule schicken“, sagte Landesschulrat Hans-Jürgen Pokall dem Tagesspiegel. Im Übrigen müssten die Lehrer dafür Sorge tragen, dass die Kinder nicht bei Sturm nach Hause gingen, sagte er angesichts der Mahnung der Feuerwehr, dass durch das Unwetter „Lebensgefahr“ bestehe. Das brandenburgische Bildungsministerium will erst heute früh entscheiden, wie die Schulen mit der Sturmwarnung umgehen sollen. Den Eltern anheimzustellen, ihre Kinder zu Hause zu behalten sei nicht nötig, da die Sturmwarnung ja erst ab dem Nachmittag gelte, hieß es aus dem Ministerium.

Wie sich der Schultag im Einzelnen gestaltet, hängt davon ab, wann der Sturm einsetzt. Es sei auch denkbar, dass Schulen die Kinder vor Unterrichtsschluss nach Hause schicken müssen, „wenn es entsprechende Warnungen gibt“, sagte Landesschulrat Pokall. Wenn Kinder allerdings aus irgendwelchen Gründen nicht vorzeitig nach Hause gehen könnten, habe die Schule die Aufsichtspflicht. Falls aber der Fall eintrete, dass Kinder trotz Gefahr das Schulhaus verlassen wollten, habe die Schule das Recht, sie daran zu hindern, „wenn es prekär ist“, sagte der Landesschulrat. Rückblickend auf seine 16-jährige Berliner Amtszeit kann er sich nur an einen einzigen Fall erinnern, als Eltern anheimgestellt wurde, ihre Kinder zu Hause zu behalten: Damals drohte gefährliches Glatteis.

Auch die Berliner Feuerwehr mahnte, „wer nicht auf die Straße gehen muss, sollte dies auch lassen.“ Gerade in Parks und in der Nähe von Straßenbäumen könnte es bei den vorhergesagten Windgeschwindigkeiten lebensgefährlich werden. Wetterexperte Hans-Joachim Knußmann vom Wetterdienst meteoXpress erwartet Böen von bis zu 130 bis 150 Stundenkilometern. Die stärksten Böen werden für die Zeit zwischen 16 Uhr und den frühen Morgenstunden vorhergesagt. Doch die ersten Ausläufer des Orkans sollen in Berlin bereits am späten Vormittag zu spüren sein, sagte Knußmann.

Er befürchtet, dass die Hauptstadt von dem Orkan besonders stark betroffen sein könnte, da es wegen der langen Straßenschluchten zu einem „Düseneffekt“ kommen könnte. Das bedeutet: Der Wind wird dort kanalisiert und gewinnt so noch an Geschwindigkeit.

Die Feuerwehr befindet sich seit Mittwoch in Alarmbereitschaft. Sie richtet sich auf schwere Schäden in der Orkannacht ein, sagte gestern Feuerwehrsprecher Matthias Waligora. „Wir gehen davon aus, dass Bäume entwurzelt und Dächer abgedeckt werden“, sagte der Sprecher. Auch erhebliche Wasserschäden könnten durch das Unwetter entstehen. Sollte im Laufe des Tages der Ausnahmezustand ausgerufen werden, kann die reguläre Berufsfeuerwehr mit ihren rund 590 Einsatzkräften nochmals um weitere 500 freiwillige Feuerwehrleute verstärkt werden. Auch die Notrufleitungen werden dann mit zusätzlichem Personal arbeiten, kündigte Waligora an.

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