• Sturz aus 11. Stock hätte verhindert werden können Nachbarn sahen die dreijährige Chantal am Fenster spielen. Die Ärzte sind optimistisch, dass das Kind überlebt

Berlin : Sturz aus 11. Stock hätte verhindert werden können Nachbarn sahen die dreijährige Chantal am Fenster spielen. Die Ärzte sind optimistisch, dass das Kind überlebt

Werner Schmidt

Noch ist die kleine Chantal nicht außer Lebensgefahr – aber die Ärzte im Rudolf-Virchow-Krankenhaus sind optimistisch, dass das dreijährige Mädchen überlebt, sagte Charité-Sprecherin Kerstin Ullrich. Wie berichtet, fiel das Kind am Samstagnachmittag am Blasewitzer Ring in Spandau aus dem Kinderzimmerfenster im 11. Stock. Mit zahlreichen inneren Verletzungen und Knochenbrüchen überlebte das Kind den Sturz aus schätzungsweise 35 Metern Höhe.

Das Unglück hätte verhindert werden können, hätten die Nachbarn rechtzeitig reagiert: Ein Hausbewohner erzählt, dass er kurz vor 14 Uhr vom Fußballspiel nach Hause kam und die kleine Chantal da bereits am Fenster stehen sah. Ein türkischer Nachbar winkte ihr demnach gerade zu, und das Kind winkte fröhlich zurück. Etwa 15 Minuten später geschah das Unglück. Das Kind überlebte den Sturz, weil es in ein Blumenbeet fiel, das den Aufprall dämpfte. Die Beete sind erst mit der Sanierung des Hochhauskomplexes nördlich der Heerstraße vor etwa einem halben Jahr angelegt worden, bestätigte der Hauswart. Er sagt, dass die Fenster sehr leicht zu öffnen seien. Wer sicher gehen wolle, müsse die Klinken demontieren.

Chantal war zuvor offenbar auf einen knapp 70 Zentimeter hohen Heizkörper geklettert, der direkt vor dem Fenster angebracht ist. Vom Heizkörper aus konnte sie mühelos die Fenstergriffe erreichen. Das Fenster besteht aus zwei Flügeln. Der rechte kann nur geklappt werden, der linke öffnet sich in die Wohnung. Als das Unglück geschah, war Chantal unbeaufsichtigt im Kinderzimmer. Ihre allein erziehende Mutter war im Nebenraum. Unklar ist, ob sie sich dort mit Chantals sechsjährigem Bruder beschäftigte oder möglicherweise eine Kundin beriet. Die Frau sei selbstständige Kosmetikberaterin, sagten Nachbarn. Sie habe geglaubt, das Kind spiele friedlich in seinem Zimmer.

Als die Mutter von dem Unglück erfuhr, rannte sie am ganzen Körper zitternd auf die Straße und brach dort wenig später zusammen. Während ihre Tochter mit dem Rettungshubschrauber in die Klinik transportiert wurde, brachte ein Rettungswagen der Feuerwehr die Mutter mit einem schweren Schock ins Krankenhaus. Dort wird sie noch immer behandelt. Ob gegen sie möglicherweise ein Verfahren wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht eingeleitet wird, hängt von den Ermittlungen der Kriminalpolizei in den nächsten Tagen ab. „Pauschal“ könne nicht gesagt werden, wann eine Mutter ihre Aufsichtspflicht verletzt habe, sagte Justizsprecherin Andrea Boehnke. Dies sei von Fall zu Fall unterschiedlich zu bewerten und abhängig vom jeweiligen Alter des Kindes und dessen Fähigkeiten. Nachbarn beschrieben Chantal als ein aufgewecktes und weit entwickeltes Kind. Es habe für seine drei Jahre schon sehr gut sprechen können.

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