Berlin : Stuttgarter Platz: Front gegen Großbauten

CD

Im Streit um die Bauprojekte der Firma Trigon und der Bahn am Stuttgarter Platz teilen nun auch Bezirkspolitiker die Kritik der Bürgerinitiative an der geplanten Größe des neuen Bahnhofs Charlottenburg. Dieser soll zum U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße hin verlagert werden, um den Fußweg dazwischen von 270 auf 78 Meter zu verkürzen. Die S-Bahn erhält zwei Bahnsteige mit vier Gleisen. Nun aber wächst die Skepsis, ob dies nötig ist.

Als Folge einer Anhörung von S-Bahn- und Senatsexperten im Bauleitplanungsausschuss verlangt CDU-Baustadtrat Alexander Straßmeir (CDU) nun eine "Alternativrechnung": Die Planer sollen darlegen, was beim Bau von nur einem Bahnsteig geschehen würde. Die SPD-Fraktion hat für die BVV am 15. März beantragt, das Bezirksamt solle "beim Senat auf eine Reduzierung der Bahnhofsumplanung hinwirken". Der gefährdete Baumbestand an der Krummen Straße solle erhalten bleiben und die S-Bahnbrücke über der Wilmersdorfer Straße nicht verbreitert werden. Unakzeptabel sei auch die einjährige Sperrung der S-Bahntrasse zwischen Zoo und Westkreuz, die 2003 beginnen soll (dabei ist ein Ersatzverkehr mit Regionalbahnzügen auf der Fernbahntrasse geplant).

In Prognosen der S-Bahn und des Senats werden zwei Bahnsteige und vier Gleise dagegen als unverzichtbar für den "alltäglichen Betrieb" und besonders für Großveranstaltungen im Olympiastadion eingestuft. Das Stadion soll nach seinem Umbau rund 76 000 Plätze bieten. Darunter werden nach den Berechnungen etwa 40 000 S-Bahn-Fahrgäste sein, für die innerhalb von einer halben Stunde genügend Züge am Bahnhof Westkreuz zur Verfügung stehen müssten. Dies sei nur mit einer viergleisigen Strecke am Bahnhof Charlottenburg möglich. Stadtrat Straßmeir kann die Fahrgastzahlen bisher nicht nachvollziehen. Schließlich gebe es viele andere Verkehrsmittel für Besucher des Stadions: den nahen U-Bahnhof, Linien- und Sonderbusse, Auto und Fahrrad.

Bürgerproteste gibt es seit langem auch gegen die Trigon-Pläne für ein Hotelhochhaus und eine Ladenpassage am "Stutti". Jetzt bildet sich eine bezirksübergreifende Front gegen Trigon: Die Anwohner vom Stuttgarter Platz wollen mit zwei Initiativen in Steglitz-Zehlendorf kooperieren. Die "Initiative Schlachtenseer Bewohner" kämpft gegen ein Trigon-Wohnungsprojekt auf dem Güterbahnhof Schlachtensee. An der Steglitzer Curtiusstraße gab der Investor zwar nach verlorenen Gerichtsprozessen seine Pläne für ein Einkaufszentrum auf und wirbt nun für Eigentumswohnungen. Die dortige Bürgerinitiative BECU bleibt aber skeptisch.

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