Berlin : Subunternehmer droht, die Sitzschalen wieder auszubauen

Offene Rechnungen fürs Olympiastadion: Mehrere Firmen fordern von Walter Bau noch Geld für ihre Leistungen

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Franz Stegner ist auf Walter Bau nicht gut zu sprechen. Stegner ist der Geschäftsführer der bayerischen Firma „Stechert“, die Stahlrohrmöbel herstellt. Das Unternehmen hat 70 000 Sitzschalen im Olympiastadion eingebaut. Stückpreis: 35 Euro. Den Großteil habe Walter Bau zwar bezahlt, sagt Stegner, aber seit August warte er auf 237 000 Euro. „Wenn der Konzern Insolvenz anmelden müsste, sehe ich mein Geld nicht mehr.“ Und deshalb will er am Montag, zwischen sieben und acht Uhr, „einen Trupp Bauarbeiter nach Berlin schicken“ – und 7000 Sitzschalen im Wert von 237 000 Euro wieder ausbauen. „Ist ja mein Eigentum!“

Walter Bau hat gegenüber dem Tagesspiegel die Vorwürfe bestätigt, spricht allerdings von „Baumängeln“. Der Projektleiter der Walter Bau, HansWolf Zopfy, sagt: „Wir wollen Druck ausüben und halten deshalb das Geld zurück.“ Es sei falsches Material verwendet worden, mehr wolle er nicht verraten. „Langfristig können die Stühle kaputtgehen“, sagt er und warnt, wie auch der Berliner Senat, vor dem Ausbau. Aus einem Haus könne auch nicht einfach eine Wand entfernt werden. Stegner hält dagegen: „Das sind nur zwei Schrauben, das geht fix.“ Dass Hertha BSC dann weniger Karten verkaufen könnte, „ist mir herzlich egal“.

Es gebe viele dieser Fälle, heißt es in der Baubranche. In einem weiteren Fall fordert der Chef der Firma Mester und Sickmann „eine schöne Summe von der Walter Bau“. Angeblich geht es um 200 000 Euro. Kai-Uwe Mester will die Summe nicht bestätigen. Seine Firma hatte 6000 VIP-Plätze eingebaut, die allerdings an einer Stelle falsch verschweißt worden seien, sagt er. Auch Mester habe Angst vor einer Insolvenz des Konzerns. Walter-Bau-Projektleiter Zopfy ist der Fall nicht bekannt, warnt aber vor „Panikmache“. Erst einmal wird jetzt die Firma „Stechert“ aufgefordert, die Vorwürfe in der Öffentlichkeit zu unterlassen.AG

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