Subventionen : Zahlmeister Berlin

Von der Staatsoper über die Schwimmbäder bis zur Eheschließung wird in der Hauptstadt fast alles subventioniert. Ein Überblick.

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In Berlin wird fast jede öffentliche Leistung subventioniert. Zum Beispiel Schwimmen im Hallenbad: Das Einzelticket für Erwachsene kostet vier Euro. Ohne finanzielle Förderung zulasten des Landeshaushalts würde der Badespaß 8,80 Euro kosten. Foto: Kitty Kleist-HeinrichWeitere Bilder anzeigen
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16.11.2010 12:15In Berlin wird fast jede öffentliche Leistung subventioniert. Zum Beispiel Schwimmen im Hallenbad: Das Einzelticket für Erwachsene...

„Wo bleibt Ihr Geld? Wir legen es gut für Sie an.“ Was sich anhört wie eine Werbung für die Kreissparkasse Bremerhaven, ist ein wichtiger Hinweis an die Berliner Steuerzahler. Im Internet teilt die Finanzverwaltung des Senats auf einer Hochglanzseite mit, welche öffentlichen Leistungen in welcher Höhe vom Land Berlin subventioniert werden.

Zum Beispiel: Schwimmen im Hallenbad. Das Einzelticket für Erwachsene kostet vier Euro. Ohne finanzielle Förderung zulasten des Landeshaushalts würde der Badespaß 8,80 Euro kosten. Für den Besuch im Zoo oder Tierpark legt der Senat für jede Eintrittskarte durchschnittlich zwei Euro drauf. Noch spendabler ist die öffentliche Hand bei kulturell wertvollen Vergnügungen. Jeder Besuch im Friedrichstadtpalast wird mit 14 Euro subventioniert, jede Karte für die Staatsoper wird mit 186 Euro bezuschusst und kostet deshalb im Durchschnitt nur 44 Euro.

Ähnlich großzügig fördert der Senat den Bildungshunger der Berliner. Wer sich bei der Zentral- und Landesbibliothek anmeldet und über 16 Jahre alt ist, zahlt zehn Euro jährlich. Schüler, Azubis und sozial Schwache dürfen gratis in den Beständen stöbern. Für jeden der 1,5 Millionen Besucher gibt das Land Berlin 14 Euro pro Jahr hinzu. Und wer ins Märkische Museum oder in die Nikolaikirche geht, um sich mit der wechselvollen Stadtgeschichte Berlins vertraut zu machen, zahlt aus eigener Tasche fünf Euro, aber: Der Staat gibt der Stiftung Stadtmuseum für jeden Besucher 61 Euro dazu.

Als der Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) im Abgeordnetenhaus gefragt wurde, ob er diese Subventionen für richtig hält, sagte er vorsichtig: „Wir müssen uns auch in Zukunft überlegen, wie weit diese Zuschüsse aus dem öffentlichen Haushalt noch zu tragen sind.“ An anderer Stelle, auch im Tagesspiegel, vertrat Nußbaum die Einschätzung, dass die Lebenshaltungskosten und öffentlichen Dienstleistungen in Berlin – im Vergleich zu anderen Metropolen – preiswert seien und „alles immer billig sein soll“. Diese Erwartung überfordere das finanziell Not leidende Land.

Auch ein Blick auf typisch kommunale Aufgaben zeigt, dass die Bürger dem Staat lieb und teuer sind. In diesem Fall zulasten der Bezirke. So mussten 2009 für den alten Personalausweis acht Euro Verwaltungsgebühr bezahlt werden. Tatsächlich kostete die Ausstellung des Ausweises durchschnittlich 22,38 Euro. Von Kostendeckung kann nicht die Rede sein. Eine standesamtliche Eheschließung, etwa im Rathaus Schöneberg, ist (außer den Urkunden) für das glückliche Paar gebührenfrei. Die Kosten von 139 Euro trägt der Bezirk Tempelhof-Schöneberg.

Wer eine bezirkliche Sportanlage nutzt, wird pro Stunde mit durchschnittlich 34 Euro subventioniert. Die Kita-Betreuung eines Kindes, die ab 2011 komplett gratis angeboten wird, belastet den öffentlichen Haushalt mit 533 Euro (Kindergarten ganztags) bzw. 695 Euro (Krippe ganztags) monatlich. Da ist die Schule vergleichsweise preiswerter. So kostet ein Schulplatz in der Grundschule pro Tag 9,42 Euro. Ein Gymnasialplatz ist mit 8,74 sogar billiger. Eine Stunde Unterricht in der bezirklichen Musikschule schlägt mit 45,43 Euro zu Buche. Davon profitieren vor allem die Eltern in den relativ einkommensstarken Bezirken Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf, weil es dort – von der musikalischen Früherziehung bis zum klassischen Klavierunterricht – besonders viele Angebote gibt.

Die Berliner mögen es grün. Aber kaum jemand weiß, dass die Pflege eines Quadratmeters öffentlicher Grünfläche jährlich 1,78 Euro kostet. In Friedrichshain-Kreuzberg sogar 4,25 Euro. za

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