Berlin : Suchtprävention fängt in Kita und Grundschule an

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"Wir sensibilisieren Erzieher und Lehrer dafür, Gefahren zu erkennen und zu intervenieren", erläutert Elke Langbehn vom Landesschulamt das Konzept. Dazu gehört zunächst einmal, dass sie sich über die wichtigsten Risikofaktoren im Klaren sind: Sucht im Elternhaus, sexueller Missbrauch und Lernschwierigkeiten gehören an erster Stelle dazu. Wenn Lehrer und Erzieher diese Dinge im Blick haben, wissen sie gleich, um welche Kinder sie sich kümmern müssen. Denn die Erfahrung zeigt, dass jedes zweite Kind aus Suchtfamilien und sogar 80 Prozent der sexuell missbrauchten Kinder den Weg in die Sucht gehen.

Natürlich sieht Prävention bei den kleinen Kindern ganz anders aus als bei den großen. Während man etwa die Neuntklässler mit der Abbildung von Raucherbeinen schocken kann, kommt dieser Weg bei den Kleinen nicht in Frage. Bei ihnen gilt es vor allem, das Selbstbewusstsein und die Persönlichkeit zu stärken, um später der Sucht-Versuchung widerstehen zu können. "Wir müssen positive Faktoren und Ressourcen der Kinder herausfinden und sie darin unterstützen", beschreibt Elisabeth Petry-Stahlberg vom Bezirksamt Mitte den Ansatz.

Die Kinder sollen aber auch lernen, etwas mit sich selbst und ihrer Freizeit anzufangen. So wurde Kindern die Aufgabe gestellt, aufzuschreiben, was sie - abgesehen vom Fernsehen - gern tun. In der Folgezeit sollten sie versuchen, diese Dinge auch tatsächlich umzusetzen, ob mit Freunden, Geschwistern oder Großeltern. So lernten sie, sich selbst zu organisieren und andere Beschäftungen zu finden.

Der Modellversuch läuft zurzeit nur an der Tiergartener Anne-Frank-Grundschule und der benachbarten Spreekita der evangelischen Kirche. Ziel ist es, weitere Institutionen zu gewinnen. Dazu gehört allerdings, dass die Lehrer und Erzieher Interesse haben. Unklar ist noch, ob die beteiligten Pädagogen auch in Zukunft an elf Tagen für die Fortbildung vom Unterricht freigestellt werden. Diese Fortbildung ist ein Baustein des Projekts. Ein weiterer Baustein ist die Elternarbeit und die Beratung durch die Projekt-Mitarbeiterinnen.

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