Berlin : Süße Schnörkel

Andreas Minsch fertigt einfach alles aus Kakaomasse und Zucker: Engel, Stöckelschuhe, Sterne, Filmtorten, Zähne

Constance Frey

Ist das Kunst oder Kuchen? Das, so findet Konditor Andreas Minsch, sollen Ausstellungsbesucher mit sich selbst ausmachen. Wichtig ist nur, dass die leckeren Stücke am Ende aufgegessen werden. Denn Schuhe, Korsetts und Masken aus Zuckerguss und Schokolade von „Mr. Minsch“, wie er sich nennt, können allesamt verzehrt werden. Essbare Klamotten unterm Weihnachtsbaum – welch ein Geschenk.

Sechs Jahre lang hat der 36-Jährige in Barcelona gearbeitet, seit fünf Monaten ist er zurück in Berlin. „Mir haben meine Freunde gefehlt“, sagt er. Mitte der 90er Jahre hatte der gelernte Konditor begonnen, sich in der Backstube auszutoben. Denn Kuchenbacken kann ganz schön langweilen. Zwar kann man bei ihm noch immer Sachertorte, Käsekuchen mit Blaubeeren oder Schokomousse bestellen. Aber seine Spezialität sind essbare Anfertigungen in ungewöhnlicher Form. Andreas Minsch macht alles: Zähne aus Marzipan und rote Zungen für den Zahnarzt, Figuren, die Picassos „Demoiselles d’Avignon“ nachempfunden sind, mit einem Innenleben aus Datteln und Rosinen, filigran gearbeitete Stöckelschuhe aus Zucker oder Filmtorten in dreifacher Ausfertigung, die für die Dreharbeiten immer gleich aussehen müssen. Die Kunden kommen auf Empfehlung zu Andreas Minsch, er hat schon für Theaterpremieren oder Prominente gebacken. Am liebsten hat er es, wenn sie ihm das Thema vorgeben, er aber sonst freie Hand hat. Im Moment hat der Bäcker seine Schokoladenphase. „Weil Weihnachten ist und weil Schokolade gut ist gegen Winterdepression.“ In seinem kleinen Atelier liegen Engel, Krippen, Christkinder und Ornamente mit silbernen Zuckerperlen. Der Schoko-Künstler nascht gerne, sein fünfjähriger Hund „Speck“ übrigens auch. Sein Herrchen verdrückt schon mal zwei Stück Torte am Tag. Wo Andreas Minsch das hinsteckt, ist schwer zu sagen: Der 36-Jährige ist gertenschlank.

Im Frühjahr will Andreas Minsch in Berlin eine Werkstatt eröffnen, den Namen dafür hat er schon: „Schokoladenmafia“. „Schokolade ist wie Gold, sie wird gehandelt wie ein Luxusartikel“, sagt er. Bald steht seine nächste jährliche Ausstellung an. „Das ist die beste Werbung für mich, da kann ich mich so richtig ausspinnen.“ Und irgendwann, wer weiß, kann „Mr. Minsch“ die erste Torte für Elton John’s Geburtstag entwerfen.

Andreas Minsch, Ohlauer Straße 29, Kreuzberg, Telefon 61073525, Infos unter www.pastelesespeciales.com.

Sie wollen mit Schokolade dekorieren wie ein Profi? Kommen Sie zum Workshop von Andreas Minsch. Termin: Donnerstag, 22. Dezember, 19 Uhr im Café Noir, Schöneberg, Potsdamer Straße142. Maximal 18 Personen, Kosten: 8 Euro pro Teilnehmer. Anmeldung heute, 21. Dezember, 11-19 Uhr, Tel. 21232303 . Spitze Schere und Küchenhandtuch mitbringen.

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