Berlin : Süße Zitrone

Bekannt wurde Diane Weigmann als freche Sängerin der Lemonbabies – jetzt zaubert sie Pop-Ohrwürmer

Sebastian Leber

Auf Diane Weigmann liegt ein Fluch: Die Berliner Sängerin hört gerne Musik, die andere Menschen uncool finden. Zum Beispiel „All that she wants“ von Ace of Base oder Country-Musik von Dolly Parton – „dafür wurde ich jahrelang gehänselt“.

Nun hat Diane ein eigenes Pop-Album aufgenommen, und auch das werden nicht alle sofort als cool einstufen. Vor allem diejenigen nicht, die sich noch an Dianes Vorleben erinnern: Bis 2002 war sie Sängerin der Lemonbabies und als solche für Girlie-Musik mit viel Gitarreneinsatz bekannt. Die Lemonbabies, das waren vier junge Frauen, die es mit ihrer Musik zwar nie bis in die Charts schafften, sich aber in der Berliner Musikszene höchsten Respekt erwarben. Wohl auch dafür, dass sie Mut zu Albentiteln wie „Pussy! Pop“ oder „Porno.“ hatten.

Von dieser frechen Pose ist nicht viel übrig geblieben, stattdessen singt Diane jetzt – auf deutsch – von Kuscheln, Kissenschlachten und Händchenhalten. Und von „Sonnenschein-Scheintagen“ und wie schön das Leben doch ist. Wer ihr Solo-Album zum ersten Mal hört, mag es kitschig finden und sich die rotzigen Lemonbabies zurückwünschen. Wer den ersten Schreck aber überwindet und die CD noch ein zweites, drittes, viertes Mal anhört, macht eine verwirrende Entdeckung: Dianes Album ist ziemlich brillant. Elf wunderschön ausgetüftelte Pop-Songs hat sie da zusammengeschrieben, und bald gehen einem die Ohrwürmer nicht mehr aus dem Kopf und die CD nicht mehr aus der Stereoanlage. Ein „perfektes kleines Pop-Album“ wollte sie aufnehmen, sagt Diane. Und dass man Musik grundsätzlich nur danach beurteilen sollte, ob sie berührt. Und dass Schubladen-Denken armselig sei. Wer ihr Album oft genug hört, wird ihr irgendwann Recht geben.

Warum Diane solo so wenig nach ihrer alten Band klingt, kann sie selbst nicht sagen. Wohl aber, was sie seit Verkündung der Lemonbabies-Bandpause im Jahr 2002 angestellt hat: Während die Schlagzeugerin Mutter und die Keyboarderin Studentin wurde, zog es Diane nach Hamburg. Dort besuchte sie den sechswöchigen Kontaktstudiengang „Populärmusik“, um das Musikmachen noch einmal von Grund auf zu lernen. Und schnell wurde ihr klar, dass 13 Jahre Lemonbabies aus ihr noch keine perfekte Musikerin gemacht hatten: „Aus dem Gitarren-Kurs bin ich nach der zweiten Stunde ausgestiegen, weil ich die anderen Teilnehmer nicht aufhalten wollte.“

Dafür entdeckte sie auch ihre große Stärke: das Komponieren. Und als ein befreundeter Musik-Produzent im vorigen Sommer zur Fußball-Europameisterschaft nach Portugal reiste, ließ er ihr den Schlüssel zu seinem Tonstudio da. Nach drei Wochen entschied sie sich, ein Solo-Album aufzunehmen.

Ihre erste Single „Das Beste“ schaffte es gleich in die Top 30, das gestern veröffentlichte Album wird ähnlich erfolgreich sein. Vergangene Woche war Diana Weigmann bei den „German Radio Awards“ als beste deutsche Popkünstlerin nominiert. In einer Reihe mit Annett Louisan und Sarah Connor. Und gestern Nachmittag gab sie eine Autogrammstunde – bei Saturn in Steglitz. Alles ganz schön uncool, möchte man meinen.

Die CD „Diane – das Album“ ist seit gestern im Handel. Am Freitag spielt Diane beim Benefiz-Festival „Freunde fürs Leben“ im Postbahnhof, Straße der Pariser Kommune 3. Die Karte kostet 12 Euro.

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