Suizid : Liedermacher Kurt Demmler begeht Selbstmord - Verfahren eingestellt

Der Liedermacher Kurt Demmler hat sich das Leben genommen. Der bekannte DDR-Musiker stand seit Januar wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vor dem Berliner Landgericht.

Kerstin Gehrke
Kurt Demmler
Kurt Demmler: Der Liedermacher hat sich das Leben genommen. -Foto: dpa

BerlinDer Missbrauchs von Kindern angeklagte Liedermacher Kurt Demmler hat sich in seiner Zelle das Leben genommen. Der 65-Jährige habe sich erhängt, bestätigte am Dienstag Justizsprecher Daniel Abbou. Ein Abschiedsbrief sei bislang nicht gefunden worden.

Nach Bekanntwerden von Kurt Demmlers Freitod, einem der erfolgreichsten Rocktexter der DDR, verkündeten die Richter daraufhin am Nachmittag die Einstellung des Verfahrens. Der Prozess sollte eigentlich am Vormittag im Moabiter Kriminalgericht mit der Befragung von ersten Opfern fortgesetzt werden.

Seit August vorigen Jahres in U-Haft

Demmler ist nach Angaben des Sprechers gegen 6.20 Uhr tot in seiner Zelle aufgefunden worden. Er saß seit August letzten Jahres in Untersuchungshaft. Suizidale Tendenzen seien bei ihm nicht erkennbar gewesen, erklärte der Sprecher. Das bestätigte auch ein psychiatrischer Gutachter, der mit Demmler noch am Freitag gesprochen hatte. "Er wirkte stabil", sagte der Psychiater. Der Liedermacher hatte die Vorwürfe im Ermittlungsverfahren bestritten, vor Gericht jedoch geschwiegen. 

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mann, der den Nina-Hagen-Hit "Du hast den Farbfilm vergessen" schrieb und für DDR-Rockgruppen wie Puhdys, Karat oder Karussell textete, sexuellen Missbrauchs von sechs Mädchen im Alter zwischen zehn und 14 Jahren vorgeworfen. Zu den Taten sei es zwischen August 1995 und November 1999 in seiner Wohnung in Prenzlauer Berg und einmal auch in seiner Villa im märkischen Storkow gekommen. Die Opfer waren den Ermittlungen zufolge Mädchen, die er unter dem Vorwand eines Castings für eine Band angelockt habe. Insgesamt 212 Übergriffe listete die Anklage auf.

Druck auf eine Zeugin

Als die Vorwürfe erhoben wurden, soll Demmler eine der Zeuginnen auch unter Druck gesetzt haben. In einer E-Mail habe er sie gedrängt, nicht auszusagen. Er drohte den Angaben zufolge auch mit Selbstmord. Ernst nahm das niemand. Weil er versucht haben soll, Zeuginnen zu beeinflussten, wurde Demmler im August wegen Verdunklungsgefahr festgenommen. Am 22. Januar begann der Prozess. 

Liedermacher Demmler hat mehr als 10.000 Texte geschrieben. Kollegen beschrieben ihn als extrem fleißig und dominant. Nachdem der studierte Mediziner 1985 mit "Die Lieder des kleinen Prinzen" ein hoch gelobtes Album veröffentlicht hatte, nannte man ihn auch "Anwalt der Kinder". In jenem Jahr erhielt Demmler den Nationalpreis der DDR. Im Wendeherbst 1989 war er Mitunterzeichner einer Resolution, mit der Rockmusiker Veränderungen in der DDR forderten.

Später war er im neu geordneten Musikgeschäft nicht mehr recht präsent. In den 90er Jahren hatte er dann vor, mit einer Mädchenband zu arbeiten. Zuletzt lebte er zurückgezogen in Storkow. Im November 2002 wurde gegen Kurt Demmler wegen sexuellen Missbrauchs ein Strafbefehl erlassen. Er musste 1800 Euro zahlen.

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