Berlin : Superbahnhof bislang ohne Mieter

Probleme beim Vermarktungskonzept für den Lehrter Bahnhof / In Lichtenberg steht die Hälfte der Geschäfte leer

Klaus Kurpjuweit

Wenn der Lehrter Bahnhof, der dann Hauptbahnhof heißen wird, wie geplant im Sommer 2006 betriebsbereit ist, werden Fahrgäste weiter über eine Baustelle laufen. Die Ausbauarbeiten sind dann noch nicht abgeschlossen. Voraussichtlich werden nicht einmal alle vorgesehenen Flächen für Geschäfte vermietet sein. Beim Vermarktungskonzept gab es erhebliche Probleme. Die Bahn denkt jetzt daran, die Läden selbst an die Mieter zu bringen.

Die Nachfrage sei enorm, sagt Wolfgang Borsch, der Leiter des Regionalbereichs Ost von Station & Service der Bahn. Dies sei bei einem Projekt dieser Größenordnung aber auch üblich. Nur konkrete Zusagen könne man den Interessenten noch nicht machen, weil die Genehmigungen für den Innenausbau noch nicht alle vorliegen. Dazu muss bereits jetzt der Standort für bestimmte Bereiche festgelegt werden, zum Beispiel für die Gastronomie, wenn dafür bauliche Voraussetzungen erforderlich sind. Der Innenausbau des Bahnhofs soll im nächsten Jahr beginnen. Ein Teil der Geschäfte werde zur Aufnahme des Zugverkehrs öffnen können, ist Borsch überzeugt. Andere werden später folgen.

Vermietet werden können nach Angaben von Borsch rund 16000 Quadratmeter an Fläche, etwa ein Viertel des KaDeWe-Angebots. Kunden werde es geben, ist der Bahn-Manager überzeugt. Noch immer rechne die Bahn mit täglich 240000 Menschen im Bahnhof. In Frankfurt (Main) sind es über 300000, am Zoo immerhin durchschnittlich 180000.

Ungewiss ist ferner weiter, wie die beiden Gebäuderiegel, die die Gleise in Nord-Süd-Richtung überspannen, genutzt werden. Vorgesehen sind Büros oder ein Hotel; Mieter hat die Bahn aber auch hier noch nicht gefunden. Sie ließ sogar schon prüfen, ob die jetzt vorhandene Lücke im Glasdach, in der eine weitere Glaskonstruktion angebracht werden soll, die an den Bügelbauten befestigt ist, anders geschlossen werden kann. Doch die Ersatzlösung erwies sich als zu teuer, die Bahn will die beiden Gebäude jetzt auf jeden Fall bauen lassen. Ob die Bahn auch selbst in die Gebäude einzieht, ist noch nicht entschieden.

Auf Mieter – und gute Geschäfte mit Geschäften – hatte die Bahn auch nach dem Umbau des Bahnhofs Lichtenberg gehofft. Doch die Hälfte der Flächen steht leer. Die meisten der täglich 60 000 Menschen nehmen den Weg vom U-Bahn-Ausgang zum S-Bahnsteig und betreten die für rund 15 Millionen Euro sanierte Halle erst gar nicht. Der Versuch, die Halle durch ein Bürgerbüro des Bezirksamtes zu füllen, scheiterte. Die Bahn bot zwar nach Angaben von Borsch sehr günstige Konditionen an, doch dem Bezirksamt fehlte nicht nur das Geld für den Ausbau des Büros, sondern auch die Mitarbeiter.

Auf der Suche nach Geldgebern ist die Bahn auch weiter am Bahnhof Papestraße. Ein privater Finanzier soll dort zwei Parkhäuser über den Gleisen errichten - für rund 2000 Autos. Doch noch steht die Finanzierungsvereinbarung zum Bau der Bahnanlagen aus. Auch dort wird der Bahnhof nicht fertig sein, wenn, wie geplant, 2006 die ersten Züge halten werden.

Probleme mit Ladenflächen hat die Bahn auch im S-Bahnhof Potsdamer Platz. Dort wollte die Baustadträtin von Mitte, Dorothee Dubrau (Grüne) zunächst, dass die Bahn wieder Schalter aufbaut, wie sie in den 30er Jahren installiert waren. Diese Forderung konnte die Bahn abweisen; Mieter für die Läden, die es nach Abschluss der Bauarbeiten hier geben soll, hat sie aber noch nicht gefunden. Verhandlungen laufen jedoch.

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