Berlin : Superstar-Fans auf die Couch

Wer das Finale live erleben will, muss zu Hause bleiben Selbst Teenie-Tanztempel interessieren sich nicht dafür

Henning Kraudzun

Heute Abend gibt es unter Millionen Teenagern kaum ein anderes Thema: Im Kölner Coloneum entscheidet sich, welcher der beiden verbliebenen Superstar- Kandidaten Alexander Klaws und Juliette Schoppmann als strahlender Sieger aus einem harten Wettbewerb hervorgeht. Auch in Berlin schlugen die Wellen der Begeisterung hoch, als Anfang der Woche Daniel Küblböck und und Juliette Schoppmann ihre Aufwartung machten. Doch das Superstarfieber ist merklich abgekühlt: Während in Sendenhorst, der Heimatstadt des Sonnyboys Alexander, das große Finale auf einer Großbildleinwand übertragen wird und der ganze Ort schon seit Tagen Kopf steht, heißt es für die DSDS-Fans an der Spree: Zu Hause bleiben und das Ereignis vor der eigenen Mattscheibe verfolgen. Aftershow-Partys, Liveübertragungen oder ein öffentlicher Countdown? Fehlanzeige. Selbst die bereits ausgeschiedene Berliner Kandidatin für die Superstar-Krone, Nicole Süßmilch, hält sich in Köln auf und feiert dort.

So wurde in den großen Berliner Konzerthallen noch nicht einmal darüber nachgedacht, die Entscheidung live zu präsentieren. „Das ist uns zu doof. Außerdem sind wir schon ewig ausgebucht“, sagt Kai Heimberg, Veranstalter in der Treptower Arena. Auch die Columbiahalle hält sich aus dem Teenager-Wahn lieber raus: „Wir suchen heute den Punk- Superstar, die Terrorgruppe feiert Jubiläum“, spöttelt Mario Lehmann von der Columbiahalle. Sogar die größte Diskothek der Region , das „Kontrast“ in Dahlwitz-Hoppegarten, verzichtet auf eine Live-Schaltung, obwohl doch gerade dort das Zielpublikum zu finden ist. „Das interessiert hier keinen“, behauptet eine Mitarbeiterin des Tanztempels.

Wer also in der Hauptstadt während des großen Finales das Massenerlebnis sucht, erlebt die komplette Enttäuschung. So wird im Estrel, dem Hotel mit den meisten Shows, das DSDS- Finale nur über einen kleinen Fernseher in der Bar flimmern. Auf eine Videoleinwand verzichtet man hier ebenso wie im Park Inn am Alexanderplatz. „Wir sind halt kein Backpackerhostel“, hieß es dort.

Selbst auf den Leinwänden der Berliner Bahnhöfe werden zur Prime Time am Samstag keine glamourösen Bilder aus Köln übertragen. „Die Bahn hat nur eine Kooperation mit den öffentlich-rechtlichen Sendern, außerdem interessiert das Thema nicht“, sagt Eva Krämer, die Pressesprecherin des Konzerns. Auch auf den Monitoren in den U- Bahnen werden keine Superstar- News zu sehen sein. Fazit: Wer in Berlin dabei sein will, muss sitzenbleiben – vor dem Fernseher.

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