Surrealistische Kunst : Berlin erhält kostbare Kunstsammlung

Ganz schön großzügig: Ein Berliner Kunstsammlerpaar vermacht der Stadt seine auf 120 Millionen Euro geschätzte Surrealismus-Sammlung. Aber die Bedingungen haben es in sich.

Nada Weigelt
Das Berliner Kunstsammlerpaar Pietzsch vermacht der Stadt Berlin seine auf 120 Millionen Euro geschätzte Surrealismus-Sammlung.
Das Berliner Kunstsammlerpaar Pietzsch vermacht der Stadt Berlin seine auf 120 Millionen Euro geschätzte Surrealismus-Sammlung.Foto: dapd

BerlinBerlin bekommt eine der weltweit wichtigsten Sammlungen surrealistischer Kunst geschenkt. Zu den rund 150 Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen mit einem Schätzwert von 120 Millionen Euro gehören Arbeiten von Max Ernst, René Magritte, Joan Miró und Salvador Dalí. Das Unternehmerpaar Ulla und Heiner Pietzsch (76 und 80 Jahre alt), das die Sammlung in fast 50 Jahren zusammengetragen hat, unterzeichnete am Freitag einen entsprechenden Vertrag.

Die Schenkung wird nach dem Tod der beiden wirksam. Bedingung ist, dass Berlin die Sammlung als Dauerleihgabe der Stiftung Preußischer Kulturbesitz überlässt. Ein „signifikanter Teil“ der Bilder muss öffentlich gezeigt werden. Die Mäzene wollen damit erreichen, dass Berlin ein eigenes Museum für die Kunst des 20. Jahrhunderts schafft.

„Wenn die Schenkung den Durchbruch bringt, dass Berlin endlich das bekommt, was es schon so lange braucht, könnte ich recht zufrieden in die Kiste steigen“, sagte Heiner Pietzsch im Anschluss schmunzelnd.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nannte die Kunstsammler ein Vorbild für das engagierte Bürgertum Berlins. „Die Sammlung besticht durch ihre hohe Qualität und seltene inhaltliche Stringenz.“ Die private Kollektion war im vergangenen Jahr erstmals öffentlich in der Neuen Nationalgalerie in Berlin gezeigt worden. Innerhalb von sieben Monaten lockte die Ausstellung unter dem Titel „Bilderträume“ fast 200 000 Menschen an. Schon damals hatte das Ehepaar Pietzsch die Schenkung in Aussicht gestellt, wenn die Sammlung dauerhaft gezeigt werden könnte. „Bitte nicht unten im Archiv, das ist eine Beleidigung für die Bilder“, sagte Pietzsch.

Wie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Dachgesellschaft der Staatlichen Museen in Berlin, das bewerkstelligen will, ist allerdings noch offen. „Berlin hat ein großartiges Geschenk bekommen und die Stiftung eine Riesenaufgabe“, sagte Stiftungspräsident Hermann Parzinger. „Ich bin jedoch ganz optimistisch, dass das gelingt.“ Parzinger will dafür eine schon früher geplante Rochade in den Berliner Museen organisieren. Danach könnte das neue Museum in die Gemäldegalerie am Potsdamer Platz einziehen. Die jetzt dort untergebrachten Alten Meister kämen ins Bode-Museum. Voraussetzung dafür ist aber wiederum, das dieses Haus auf der Museumsinsel erweitert wird - lauter kostenträchtige Projekte.

Pietzsch betonte, die Schenkung werde nur wirksam, wenn es „unumstößliche Tatsachen“ für die künftige Präsentation der Sammlung gebe. „Es sollte nicht wie beim Berliner Schloss sein. Wir wollen nicht, dass ein Miró zehn Jahre lang im Keller steht.“ Der gebürtige Dresdner, der sich vom Elektrolehrling zum international agierenden Kunststoffhändler hocharbeitete, hatte die Sammlung eigenen Angaben zufolge ursprünglich seiner Heimatstadt schenken wollen. Das große Interesse der Nationalgalerie und ihres Direktors Udo Kittelmann habe ihn dann jedoch von Berlin überzeugt.

„Wir haben die Werke in fast 50 Jahren Stück für Stück zusammengetragen“, sagte Pietzsch. „Es sind unsere Kinder. Und wir wollen sichergehen, dass die Sammlung nicht wieder auseinandergeht und in alle Welt verteilt wird.“ (dpa)

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