Berlin : Swing when you’re swimming

Er kam, sang und siegte. Das Kurz-Konzert von Robbie Williams machte aus Schauspielern jubelnde Groupies und aus der Premierenfeier zum Unterwasser-Trickfilm „Findet Nemo“ die tollste Party des Jahres.

Unsichtbar spielt das Orchester hinter dem Vorhang schon mal los, dann geht das Licht aus, der Spot an, der Vorhang fällt, die Sicht ist frei. Mister Entertainment kommt in einem Nadelstreifenanzug mit hellblauem Micky-Maus-T-Shirt die Treppe herunter. Robbie Williams winkt der jubelnden Menge zu, stellt mit weitem Armschwung sein Orchester für diesen Abend vor, greift zum Mikrofon und singt „Beyond the Sea“. Es ist das letzte Stück auf seiner CD „Swing when You’re Winning“ und das einzige gesungene Stück auf dem Soundtrack von „Findet Nemo“.

Um die Deutschlandpremiere dieses computeranimierten Trickfilms zu feiern, hat der Disney-Konzern Williams nach Berlin einfliegen lassen.

Weil Nemo in den USA alle Rekorde gebrochen hat, darf in Europa besonders opulent gefeiert werden. Und in Europa war der britische Popstar, der in einer Fünf-Millionen-Dollar-Mietvilla in Los Angeles lebt, sowieso: Am Sonnabend hat Williams das letzte Konzert seiner Herbsttournee in Oslo gegeben, am Sonntag steht er in Sachen Film in Berlin auf der Bühne. Und sein Publikum (rund 2000 geladene Gäste im ungenutzten U-Bahnhof Reichstag) ist ihm binnen Sekunden verfallen. Williams flirtet mit den Gästen und den Frauen an den Streichinstrumenten, er verteilt Handküsse, trocknet den Schweiß von der Stirn mit einem Handtuch und wirft es anschließend in die kreischende Menge. Und er lässt sich aus dem Publikum ein Handy reichen, während er „Mr. Bojangles“ singt. „Hello, this ist Robbie Williams“, sagt er ins Telefon, und am anderen Ende der Leitung fällt wahrscheinlich jemand in Ohnmacht.

Dann spricht er mit einem kleine Mädchen vor der Bühne:

„Wie heißt du?“

„Nina.“

„Hattest du Angst vor den Haien aus dem Film?“

„Mmm.“

„Ich habe auch Angst, und ich bin schon dreißig.“

„Ich habe dich in Amsterdam gesehen…“

„In Amsterdam?“, Williams ist überrascht, „in den Koffie-Shops?“ Da lachen alle, und schon singt er weiter. In seinem Kurz-Konzert folgt Song auf Song. Dabei werde er, sagt er, nur für drei Lieder bezahlt. Aber er legt noch drauf: „Mack the Knife“, „One For My Baby“, „Do Nothing Till You Hear From Me“. Das Publikum tanzt, singt mit, klatscht sich die Finger wund, freut sich. Nach einer guten halben Stunde ist trotzdem Schluss. Robbie Williams strahlt, die 36 Musiker des Orchesters (vor allem die Streicher-Frauen) strahlen und das Publikum erst recht. Ein Winken in die Menge, Williams verschwindet über die Baugerüste und die Menge (darunter die Schauspieler Til Schweiger, Heino Ferch und Mathias Schweighöfer) feiert weiter bei Wodka-Cocktails und Prosecco. Was für eine Party! Das wird für alle Partymacher schwer, diesen Abend zu übertreffen.

Fragt sich nur, was Williams sonst noch in der Stadt angestellt hat. Nach Auskunft des Filmverleihs und seines Managements soll er die Stadt noch in der Nacht verlassen haben. Aber kann man sich darauf verlassen? Er hätte zum Beispiel auch Kevin Spacey treffen können, der gerade in der Stadt dreht. Von Spacey und anderen Hollywood-Größen singt er in „I Will Talk and Hollywood Will Listen“. Eines der wenigen Stücke seiner Swing-CD, die er dem Partyvolk vorenthielt. Was heißt Partyvolk? Seiner ergebenen Fangemeinde. Die streicht sich seine nächsten Konzerte jetzt dick rot im Kalender an. Garantiert.

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