Berlin : Swinger-Partys waren seine Leidenschaft

Angeklagter Ex-Richter bestreitet den Vorwurf der Zuhälterei

Kerstin Gehrke

Peinlich ist ihm die ganze Sache scheinbar nicht. Gelassen blickt Hubert F. in die Kameras. Der gebürtige Pfälzer lächelt, faltet die Hände. Als Amtsrichter in der Stadt Brandenburg war, hat es nie einen solchen Rummel um ihn gegeben, als er Staatsanwalt in Potsdam war, auch nicht. Seit gestern aber sitzt er als Angeklagter vor dem Berliner Landgericht. Nun ist das Medieninteresse groß. Denn der 43-jährige Richter muss sich in einem für die Justiz bislang einmaligen Fall wegen Zuhälterei, sexueller Nötigung und Körperverletzung verantworten.

Hubert F. hat in seiner Wohnung in Steglitz so genannte Swinger-Partys veranstaltet. Dazu steht er. „Das war seine Leidenschaft“, sagte sein Anwalt Gregor Samimi am Rande des Prozesses. Doch der inzwischen suspendierte Richter soll gegen Entgelt die Dienste einer 19-jährigen Slowakin Lydia S. angeboten und zweimal zugelassen haben, dass die Frau von mehreren Männern zum Sex gezwungen wurde. Hubert F. habe Lydias Schreie gehört, heißt es in der Anklage. Er habe daraufhin nur die Musik lauter gestellt.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Richter zwischen Oktober 2000 und Frühjahr 2001 aus Gewinnsucht monatlich 2000 bis 3000 Euro von den Teilnehmern der Partys kassierte. Außerdem soll er Ende 2001 der Zuhälter einer Polin gewesen sein, die keine Arbeitserlaubnis hatte. Der Richter zeigte sich zu Beginn des Prozesses zugeknöpft. „Ich möchte mich derzeit nicht äußern“, erklärte Hubert F. Im Fall der Slowakin fügte er hinzu: „Ich möchte, dass die Zeugin mir das ins Gesicht sagt.“

Er soll mit Werbesprüchen wie „unersättliche Sie lädt ein“ oder „frivole Party“ geworben haben. Lydia S. habe nach der zweiten oder dritten Party mit bis zu neun Männern nicht mehr mitmachen wollen, heißt es in der Anklage. Da habe der Richter ihre finanzielle Abhängigkeit als Druckmittel benutzt.

Auch vor dem Gerichtssaal verteidgte der Anwalt seinen Mandanten. Es sei auf den Partys tatsächlich zu „ungewöhnlichen Sexualpraktiken“ gekommen, sagte Samimi. Doch Hubert F. bestreite, dass es zu Handlungen gegen den Willen der Slowakin gekommen ist. „Das war alles freiwillig, das war doch kein Bordell.“ Auch die Frau, die im April 2001 Anzeige erstattet hatte, habe Spaß daran gehabt. „Er hat kein schlechtes Gewissen“, erklärte der Anwalt für den Amtsrichter. „Er hat die Frau doch nicht als Sex-Sklavin gehalten, sie war seine Freundin.“ Die von den Partygästen gezahlten Gelder habe F. für Bettwäsche, Getränke, Chips und Kondome ausgegeben. Die Vorwürfe habe die Slowakin vielleicht erhoben, weil sie vom Angeklagten Geld wollte, oder weil sie sich vor ihrem jetzigen Ehemann, einem der früheren Gäste von F., rechtfertigen wollte, sagte der Anwalt. Für ihre Befragung als Zeugin schloss das Gericht die Öffentlichkeit aus.

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