Sybille von Obernitz : Viel Lob für die Neue schon vor dem Start

Sybille von Obernitz wird Wirtschaftssenatorin in Berlin. Als Expertin ist sie über die CDU-Parteigrenzen anerkannt.

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Sybille von Obernitz ist als Expertin parteiübergreifend anerkannt.
Sybille von Obernitz ist als Expertin parteiübergreifend anerkannt.

Diese Frau hat schon manchen Gesprächspartnern imponiert. „Ausgesprochen klug und sachlich“ habe sie Sybille von Obernitz bei gemeinsamen Veranstaltungen erlebt, sagt die einstige FDP-Politikerin Mieke Senftleben. Auch der SPD-Wirtschaftspolitiker Frank Jahnke schwärmt von der künftigen parteilosen Wirtschaftssenatorin, deren Namen CDU-Chef Frank Henkel am Montagabend offiziell bekannt geben wollte. „Sie ist energisch und weiß, was sie will“, sagt Jahnke. Der Sozialdemokrat begrüßt, dass die bisherige Bereichsleiterin für Berufliche Bildung und Bildungspolitik beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) durch ihre fachliche Ausrichtung die Themen Berufsbildung und Wirtschaft zu kombinieren verstehe. Da Themen wie der Fachkräftemangel aus seiner Sicht „eines der Hauptthemen“ der rot-schwarzen Koalition sein werden, sei die diplomierte Volkswirtin „keine schlechte Besetzung“.

Sybille von Obernitz selbst wollte sich im gestrigen Tagesverlauf noch nicht zu ihrem Amt äußern – offiziell sollte die 49-Jährige erst am Abend auf einem CDU-Landesparteitag von Frank Henkel benannt werden. Aus der Wirtschaft und Politik kamen aber schon tagsüber die ersten Reaktionen auf die Personalie – und sie waren fast durchweg positiv. Lediglich die Linke zeigt sich skeptisch. Zwar kenne er Frau von Obernitz nicht persönlich, sagte Linken-Fraktionschef Udo Wolf. Aber sie sei „kein wirtschaftspolitisches Schwergewicht“, die Personalie der CDU daher „kein großer Wurf“.

Berlins IHK-Präsident Eric Schweitzer hingegen lobte die „sehr gute Entscheidung“. Seine Industrie- und Handelskammer ist eine von bundesweit 80, deren Dachorganisation der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ist, für den Frau von Obernitz seit 2004 arbeitet. Vorher war sie sieben Jahre bei der IHK Berlin ebenfalls unter anderem für berufliche Bildung zuständig. Davor war sie als Referentin bei der IHK Augsburg – in der Stadt hatte sie 1981 auch ihr Abitur gemacht. Obernitz ist verheiratet und hat drei Kinder.

Dass die Wirtschaftsexpertin jetzt Senatorin wird, ist für IHK-Präsident Schweitzer „ein Zeichen dafür, dass es die neue Landesregierung mit dem Thema Wirtschaft ernst meint“. Von Obernitz sei eine „ausgewiesene Fachfrau“. Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK, findet, von Obernitz sei „in jeder Hinsicht geeignet für das Amt, in dem es genug zu tun gibt“. So sei eines der wichtigsten Projekte das „zügige Angehen“ von Großprojekten wie der Nachnutzung des Flughafens Tegel.

Sybille Volkholz, Leiterin des „Bürgernetzwerks Bildung“ des VBKI und ehemalige Berliner Bildungssenatorin (Grüne) nennt von Obernitz eine „kluge Frau mit schneller Auffassungsgabe“. Volkholz kennt Obernitz aus deren Zeit als Bildungsexpertin bei der Berliner IHK und rechnet damit, dass Obernitz einen Schwerpunkt ihrer Arbeit darauf richtet, „effektivere Strukturen zu schaffen, wie man Jugendliche in eine Ausbildung bekommt“. Damit wäre Obernitz auch für eine künftige Bildungssenatorin oder einen Bildungssenator eine gute Partnerin. „Sie hat die ganzen Debatten um Pisa und die Bildungsforschung sehr aufmerksam verfolgt“, sagt Volkholz.

Ihr bisheriger Chef, DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben, sieht den Wechsel seiner Mitarbeiterin mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Ihre Arbeit sei von großem Engagement und Kompetenz geprägt. „So sehr ich bedauere, dass Frau von Obernitz den DIHK verlässt, so sicher bin ich, dass sie ein großer Gewinn für das Land Berlin ist.“

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