Berlin : Symbol der Teilung: Glanz auf der Turmspitze

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"Vor zwölf Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich einmal eine West-Zeitung zusammenrolle", scherzte Wolfgang Vieroth, als er unter anderem den Tagesspiegel in die Kartusche schob. 1988 hatte er, nichts von der baldigen Wende ahnend, schon einmal die goldene Kugel mit Zeitdokumenten gefüllt. Damals waren es das Neue Deutschland und Ost-Mark-Scheine. Gestern wurde der restaurierte Turmschmuck der Staakener Dorfkirche auf dem einstigen Todesstreifen montiert.

Kurz vor der Grenzöffnung hatten Gemeindemitglieder die Kirche repariert, soweit es mit damaligen Mitteln möglich war. Vom Turm aus konnte er über die daneben verlaufende Mauer endlich einmal weit nach West-Berlin hinüberblicken, erinnert sich Thomas Schäfer. Jahrzehntelang war die Dorfkirche ein Symbol der Teilung.

Nachdem die vier Meter hohe Turmspitze Ende der 60er Jahre abgestürzt war, hatten lange Zeit nur die Reste eines durchgefaulten Balkens aus dem Turm geragt. Erst 1987 wurden die Teile - eingelagert bei einem Falkenseer Kupferschmied - entdeckt und nach notdürftiger Reparatur wieder angebracht.

Dagegen hat die Wetterfahne mit der Jahreszahl 1712 die Jahrhunderte überdauert, so Georg Ignaszewski. In seiner Bohnsdorfer Werkstatt hat der Kunstschmied und Metall-Restaurator ihr jetzt einen neuen Rahmen verpasst und die Turmkugel, in der sich die Kartuschen mit den Zeitdokumenten befinden, repariert. Sie wies rund 100 Löcher von Einschüssen und Granatsplittern auf, bei Kriegsende 1945 tobten in der Umgebung schwere Kämpfe.

Strittig ist unter Denkmalpflegern noch, ob die gotische Ostwand der Kirche nur getüncht oder wieder, wie 1712, verputzt werden soll. Und die Bezirksverordnetenversammlung forderte kürzlich die Wiederherstellung eines historischen Fensters. Dafür sollen zwei später eingebaute Fensteröffnungen geschlossen werden. In der Kirche soll im nächsten Sommer mit der Realisierung eines Wandgemäldes von Gabriele Mucchi begonnen werden.

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