SZENARIO I : Rettung ist möglich

Vormann Lindner

? Zwei Argumente sprechen dafür, dass der begabte Provokateur seine Berliner Parteifreunde wieder nach vorn bringen kann. Erstens erreicht Lindner die Wähler, die in Berlin Sympathien für die FDP haben – Selbstständige, Unternehmer, Rechtsanwälte, Ärzte, Apotheker. Der Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer sagt, es gebe in der Stadt ein liberales Wählerpotenzial – allerdings nicht im zweistelligen Bereich. Was die gute Nachricht enthält, dass sogar in der Hartz-IV- und Arbeitslosenmetropole Berlin noch ein Restbürgertum mit Sympathien für Freiheit und Eigenverantwortung zu finden ist.

Lindner hat im Wahlkampf fast nebenbei vorgemacht, wie man Leute anspricht, indem er in Steglitz-Zehlendorf eine kleine Spezialkampagne gegen die Schurigelei von Falschparkern durch die Ordnungsämter organisierte: „Was tut das Ordnungsamt gegen Schmierereien und Hundehaufen? Nichts. Weil es lieber Knöllchen schreibt“. Prompt war die FDP im Gespräch, und zwar über die Bezirksgrenzen hinaus. Ein Thema war gesetzt. Wer dann nachfragt, stellt fest, dass hinter Lindners Thesen auch Konzepte stehen. Der Mann glaubt fest daran, dass weniger Staat mehr Freiheit zur Folge hat und mehr Freiheit auch bei Leuten, die es sich im Für- und Vorsorgestaat bequem gemacht haben, mehr Selbstständigkeit beim Geldverdienen bewirkt. Man kann seinen Stil fordernd finden, unsozial, zu leistungsorientiert – aber er ist authentisch, das merken die Wähler. Womöglich deshalb ist es – Argument Nummer zwei – der FDP in den Umfragen besser ergangen, als Lindner noch Fraktionschef war. Bis er seine Berliner Parteifreunde 2009 sich selbst überließ, weil er in den Bundestag wollte, sahen die Demoskopen die FPD in der Stadt bei sieben, acht, neun Prozent. Anders gesagt: Lindner hat die Partei im Gespräch und die Sympathiekurve über der Fünf-Prozent-Hürde halten können: sozusagen im grünen Bereich.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben