SZENARIO III : Rettung? Unmöglich

Und wenn sie tun, was sie nicht lassen können? Die Strategen in der Berliner FDP machen sich Sorgen – vor neuen Streitereien um die richtige Richtung. Die außerparlamentarische Phase in den 90er Jahren war eine Zeit innerparteilicher Guerillakriege. Damals stritten sich die Funktionäre durch alle Instanzen der Parteigerichtsbarkeit, man versuchte, feindliche Bezirksverbände zu unterwandern. Es ging um links- oder nationalliberal.

Heute würde sich ein Richtungsstreit um andere Fragen drehen. Nicht wenige Berliner Liberale sind mit Guido Westerwelles forciertem Neoliberalismus durch. Konsequenzen aus der Finanzkrise, der Umgang mit Migranten – da gibt es Streitpotenzial. Und Liberale streiten gern. Bis zur Bundestagswahl 2013 wird Martin Lindner das kontrollieren können. Aber was, wenn Lindners operative Basis wegfällt, weil die FDP dem nächsten Bundestag nicht mehr angehören wird? Dann wäre Lindner der nächste Wahlverlierer – und würde den Landesvorsitz wohl aufgeben müssen. Die Partei der Einzelkämpfer würde mehr als einen Parteitag brauchen, um überhaupt beschlussfähig zu werden. Liberalismus in Berlin würde zum exotischen Hobby: Während die Lindners, Lindemanns und Meyers in der freien Marktwirtschaft schwer arbeiten, sitzen junge Frauen und Männer an ihren Rechnern, texten Manifeste gegen Zwangsversicherungen, die Deutschpflicht auf Schulhöfen oder überteuerte Qualifizierungsoffensiven für Arbeitslose, leiten sich diese gegenseitig weiter und altern dabei. Was eine bürgerrechtsorientierte Großstadtpartei ist, machen – nach dem an staatlicher Vorsorge und einer gewissen Vorschriftendichte orientierten Geschmack des Publikums – Grüne und Piraten unter sich aus. Die CDU nimmt sich des ehemals liberalen Potenzials an, der Mittelständler und Anwälte. Die FDP existiert nur noch im Internet. Wie die Zentrumspartei. Die gibt es noch. Sie hat sogar ein drei Seiten umfassendes Programm.

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