Berlin : Szene-Kaufhaus gefährdet

Markthalle für Trendläden am Kottbusser Tor droht am Streit um Mietverträge zu scheitern

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Ein SzeneKaufhaus mit 40 bis 50 Geschäften und ein Biergarten auf der Dachterrasse sollen dem Zentrum Kreuzberg am Kottbusser Tor neuen Schwung geben – doch die für Juli geplante Eröffnung ist vorerst geplatzt. Weil die Initiatoren und der Vermieter um den Vertragsentwurf streiten, scheint das ganze Projekt gefährdet. Jetzt beschloss das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, dass Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) im Konflikt vermitteln soll.

In der Betonburg mit Wohnungen und Läden, um deren Aufwertung sich Politiker und Quartiersmanager seit Jahren bemühen, planen vier Kreuzberger ein „Kaufhaus Kreuzberg“. Ihnen schwebt eine Markthalle mit Comic- und Plattenläden, Trendmode-Boutiquen, Tätowierstudios und anderen „innovativen und eigenwilligen“ Läden vor. Noch nutzt ein Möbelhaus die 1200 Quadratmeter im ersten Stock; der Mietvertrag läuft jetzt aber aus. In dem geplanten Lokal könnten Besucher gemütlich „Kuchen essen und auf den Kotti gucken“, sagt Mit-Initiator Richard Stein. Er gehörte früher zum Betreiberkollektiv des „SO 36“ an der Oranienstraße und ist an der Bar „Möbel Olfe“ beteiligt, die vor kurzem im Zentrum Kreuzberg eröffnete.

Der Geschäftsführer der Vermietergesellschaft, Daniel Kexel, lobt die neuen Ideen als „außerordentlich gut“. Aber: „Ich kann keinen langfristigen Vertrag machen, ohne daran zu verdienen.“ Es geht vor allem um die Miete für die rund 500 Quadratmeter große Dachterrasse. Die potenziellen Wirte wollen für die Nutzung nicht extra bezahlen. Dies habe bisher kein Mieter der unteren Räume tun müssen, sagen sie. Dagegen verlangt die Vermieterfirma 7,50 Euro je Quadratmeter. Laut Kexel ist der Preis nur „kostendeckend“. Schließlich sehe das Konzept für den Biergarten eine Verschönerung des Eingangs und neue Toiletten vor.

Auch um die Mietdauer für das Szene-Kaufhaus gibt es Meinungsverschiedenheiten. Kexel will nur einen Fünf-Jahres-Vertrag abschließen. Den Wunsch nach zwei Optionen über je fünf weitere Jahre lehnt er ab. Die Initiatoren um Richard Stein stören sich außerdem an Vertragsklauseln, die dem Vermieter weit gehende Kündigungsrechte geben würden.

Für eine Lösung bleibt wenig Zeit. Der Umbau sollte im Juni beginnen, aber jetzt mussten Aufträge für Handwerker storniert werden. Stein fürchtet Finanzierungsprobleme, weil Kreditzusagen von Banken an den Mietvertragsabschluss gekoppelt sind. Darüber hinaus seien die Interessenten für die Geschäfte in ihrer Existenz bedroht. Für 39 Läden hatten die Kaufhaus-Planer schon Vorverträge mit Untermietern geschlossen. CD

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