Berlin : Szenen einer tödlichen Ehe

Tonband ist Beweismittel im Mordprozess gegen Gisela K.

Kerstin Gehrke

Die Stimme des Toten. Sie kam aus einem Kassettenrekorder auf dem Richtertisch. Flüsternd, matt spricht der Mann Preise auf. „Französisch Brie, 1,39, Emmentaler gerieben, 1,99, der Pullover kostet 13,30.“ Plötzlich ein Knacken. Dann die Stimme der Angeklagten, die bislang geschwiegen hatte. „Du wirst vor die Hunde gehen, du wirst verrecken, irgendwann wirst du deine Knochen nicht mehr bewegen können“, leiert sie Tiraden herunter, die kein Ende nehmen wollen. Der Adressat ist ihr Ehemann. Es waren Aufnahmen kurz vor seinem Tod.

Die 63-jährige Gisela K. soll ihren zwei Jahre älteren Mann Klaus K. zu Tode gefoltert haben. Mit einem Bügeleisen, einem Metallfleischklopfer, einem Telefonhörer und Kerzenständer. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Mord aus Verachtung aus. In früheren Vernehmungen hatte Gisela K. behauptet, ihr Mann habe sich die Verletzungen in der Schöneberger Wohnung selbst zugefügt. Sie hatte nach seinem Tod in einem Brief auch behauptet, sie liebe ihren Mann und könne ohne ihn nicht leben.

Wieder ein Knacken. Wieder war im Gerichtssaal die Stimme des Toten zu hören. Er soll immer mit einem Diktiergerät in der Hand durch Geschäfte gegangen sein. Um seiner Frau, die kaum die Wohnung verließ, später Bericht erstatten zu können. Sie verwaltete das Geld, sie entschied, was gekauft wurde. Dann wieder ihre Stimme. Sie gibt ihm die Schuld an ihrem „Drecksleben“. Minutenlang wirft sie ihm vor, dass kein Auto vor der Tür steht, dass ein Urlaub nicht geklappt hat. „Weihnachten wird so beschissen wie alle Jahre“, keift die Stimme. Weihnachten hat Klaus K. nicht mehr erlebt. Sein Sterben zog sich über einen längeren Zeitraum hin, sagte ein Gerichtsmediziner. Es sei ausgeschlossen, dass er sich die Verletzungen selbst beigebracht haben könnte. Schläge und Demütigungen durch seine Frau soll der Mann jahrelang erduldet haben. Ohne Hilfe anzunehmen.

Der 41-jährige Sohn der Angeklagten sagte, seine Mutter habe ihn, seine Schwester und auch den Vater oft bestraft. Wegen Kleinigkeiten seien sie auf den Balkon gesperrt worden. Er habe dem Vater bereits vor etwa fünf Jahren aufgefordert: „Setze ihr Grenzen.“ Doch Klaus K. sei dazu nicht in der Lage gewesen. „Er war wie ein Häufchen Elend.“ Die Mutter nahm der Sohn dennoch in Schutz: „Ich glaube nicht, dass sie ihn mutwillig umbringen wollte.“

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