T-Shirt-Aktion gegen rechts : NPD - "Nutzlos, primitiv, doof"

Auch ein Stück Stoff kann Ärger einbringen.: Ein 20-jähriger SPD-Politiker verballhornt die NPD in Treptow-Köpenick mit provokanten selbst bedruckten T-Shirts.

Matthias Jekosch
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Provokant. Alexander Freier übersetzt NPD auf seine Weise. -Foto: Mike Wolff

Auch ein Stück Stoff kann Ärger einbringen. Das T-Shirt, das Alexander Freier trägt, zum Beispiel. Das Kürzel der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands ist auf der Rückenseite mit „Nutzlos, Primitiv, Doof“ verballhornt. Freier sitzt für die SPD in der Bezirksverordnetenversammlung von Treptow-Köpenick, der auch drei NPD-Vertreter angehören, unter ihnen der Bundesvorsitzende Udo Voigt. Als Freier bei einer Sitzung mit dem T-Shirt erschien, handelte er sich eine Rüge des Vorstehers ein. „Ich hatte damit gerechnet, des Saales verwiesen zu werden“, schmunzelt der 20-Jährige.

Er lässt es weiter darauf ankommen. Es ist Donnerstagabend, Jugendhilfeausschuss. Freier trägt dasselbe T-Shirt. Zehn weitere hat er sich davon anfertigen lassen. Seine blonden hochgegelten Haare und das Zungenpiercing passen zu den frechen Aufdrucken. Raum 217 im Rathaus Treptow ist holzvertäfelt, an den im Halbrund aufgestellten Tischen sitzen deutlich ältere Frauen und Männer. Andere Gleichaltrige stehen jetzt auf dem Fußballplatz oder sind im Schwimmbad.

Freier ist aber einer von denen, die sich einbringen wollen. Schülersprecher, Landesschülersprecher, Vorsitzender im Landesschulbeirat, seit dem 26. Oktober ist er Bezirksverordneter in Treptow-Köpenick. „Als Schülervertreter kann man viel reden. Aber im Zweifel braucht es Menschen, die mit einem Mandat gestalten können“, begründet er seine Entscheidung, in die Politik zu gehen.

Schon mit 16 Jahren begann er zu gestalten, auf der im letzten Jahr geschlossenen Salvador-Allende-Schule. Auf der Integrationsschule gab es keine Ausländer. Also hat Freier dafür gesorgt, dass das Projekt „Schule und Rassismus“ um den Punkt „Homosexualität“ erweitert wird. Er selbst ist in diesem Punkt nicht ganz festgelegt. „Wenn ich mich verliebe, dann verliebe ich mich“, sagt er. Der offen gegen Homosexualität agitierenden NPD ist das gewiss ein weiterer Dorn im Auge. Sein Engagement bleibt dort auch nicht unbemerkt. Nach einer Sitzung im Rathaus standen ein paar NPD-Anhänger unten am Treppenaufgang. „Die hatten ein Foto von mir in der Hand und sagten: Ach, das ist der“, erzählt Freier. Bisher blieb es bei Einschüchterungsversuchen.

Der gebürtige Köpenicker spielt gerne die Rolle des Mahners. „Ich will verhindern, dass Germania in Treptow-Köpenick aufersteht“, sagt er mit Anspielung auf die Machtfantasien des NPD-Chefs Voigt. Aber irgendwann will er auch Politik machen können, ohne über Unsinnsanträge der NPD verhandeln zu müssen, wie etwa den, die Integrationsbeauftragte des Bezirks in „Beauftragte für Ausländerrückführung“ umzubenennen. Auf kommunaler Ebene muss er sich damit neben seinen Themenschwerpunkten Bildung, Jugend, Wirtschaftsförderung, Kultur und Tourismus auseinandersetzen. Außerdem arbeitet er als studentische Hilfskraft beim Seeheimer Kreis, dem rechten Flügel der SPD.

Das alles kostet viel Zeit. An manchen Tagen geht er morgens zur Schule und kommt erst abends gegen elf nach Hause. In der Politik scheint Freier gut aufgehoben zu sein. „Als ich in die SPD eintrat, war das ein Gefühl wie frisch verliebt zu sein“, sagt er. Seine andere Liebe gehört Treptow-Köpenick. Deswegen zieht er bald von Friedrichshain in den Bezirk. „Ich will einen Bezirk, in dem jede Lebensform akzeptiert wird“, betont er. Wenn es so weit ist, hat er nur noch ein Problem. Was lässt er sich dann auf seine T-Shirts drucken? Matthias Jekosch

Alexander Freier und ein breites Netzwerk aus Parteien und Organisationen rufen heute zu einer Demonstration gegen Rechtsextremisten auf. Ab 18 Uhr soll die Gegenveranstaltung zu einem Info-Abend der NPD starten. Treffpunkt ist vor dem Rathaus Treptow, Neue Krugallee 4.

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