Berlin : Tafeln wie einst der Umtrunkverein

Claus-Dieter Steyer

Restaurant "Schwarzer Adler", 16321 Bernau, Berliner Straße 33, täglich außer montags ab 11 Uhr geöffnet. Tel. 03338/766187Claus-Dieter Steyer

Schon der erste Blick auf die Hausfront deutet auf eine ziemlich lange Geschichte des Gasthofes "Schwarzer Adler" in Bernaus Zentrum hin: "Restauration" und "Herberge" heißt es da. Die alten Worte auf heller Farbe täuschen nicht. Denn der Gast steht nach dem Öffnen der Tür unter einem beeindruckenden Gewölbe, das an Kirchen oder Dome erinnert. Die Neugier auf die Geschichte dieses ungewöhnlichen Restaurants ist sofort geweckt.

Doch weder verraten die Speisekarte noch ein sonst üblicher Prospekt Einzelheiten über das Haus. Leider wird dieser Punkt der Gastfreundlichkeit vielerorts noch immer vernachlässigt. Also bleibt nur das Nachfragen bei Heimatchronisten und das Nachlesen im Buch "Historische Gasthäuser" von Karl-Heinz Otto (Verlag Haude & Spener). Demnach geht der Bau des Hauses vor rund 550 Jahren auf einen religiösen Verein zurück. Wohlhabende Bernauer Bürger hatten sich damals zu einer "Kalandsbruderschaft" zusammengeschlossen. Der Name wurde aus dem Versammlungstermin an jedem Monatsersten - calendae - abgeleitet. Den heutigen Gasthof "Schwarzer Adler" nutzten sie als Bethaus. Im Laufe der Jahrhunderte verstand sich die Bruderschaft mehr und mehr als fröhlicher Umtrunkverein, den schließlich Friedrich der Große 1756 persönlich verbot. Aus dem Bethaus entstand eine "königlich-preußisch-privilegierte Herberge und Restauration", die bis heute viel Ansehen genießt.

Im Speisenangebot dominiert die deutsche Küche in erstaunlich vielen heimischen Varianten. Spezialitäten sind offenbar Kartoffelpfannen mit Schweinemedaillons, Speck, Zwiebeln, Knoblauch, Paprika, Tomaten und anderen Zutaten. Denn die gibt es in der Version "Schwarzer Adler", "Bernau", "Budapest" und "Alpen" zum Preis zwischen 15 und 16 Mark. Davon wird garantiert jedermann satt. Beliebt sind ebenso Eisbein und Sauerkraut für 13,50 Mark, wie der Blick auf die Teller der Nachbartische ergab. Auch Gerichte für zwei Personen kommen an. Da kann unter anderem zwischen dem "Bernauer Scheiterhaufen" (Lammfilet) und der "Hussitenmahlzeit" (Bulettenspieße) gewählt werden. Wer es etwas nobler wünscht, greift zu Schweinemedaillons in Kasekräuterkruste auf Rahmchampignons und Kroketten (21,50 Mark).

Glücklicherweise sind noch nicht alle Erinnerungen an die alter Bruderschaft getilgt. Auf dem Stammtisch steht noch eine Biersäule, wo sich die Gäste ihren Gerstensaft selbst zapfen können. In erster Linie fließt Bernauer Schwarzbier aus dem Hahn, wenn es auch längst nicht mehr in der Stadt selbst hergestellt wird. Die Brauerei in Berlin-Friedrichshagen braut nach uralten Bernauer Rezepten.Restaurant "Schwarzer Adler", 16321 Bernau, Berliner Straße 33, täglich außer montags ab 11 Uhr geöffnet. Tel. 03338/766187. Zum S-Bahnhof sind es nur wenige hundert Schritte.

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