Berlin : Tag der deutschen Vielfalt

Sie feierten die Einheit und priesen den Föderalismus: Wie sieben Bundesländer den 3. Oktober begingen – mit überraschendem Erfolg

Dagmar Rosenfeld

Die DDR auf 40 Quadratmetern – im Film „Good Bye, Lenin!“ hat das ziemlich gut funktioniert. Die deutsche Einheit auf ein paar 100 Quadratmetern und das in Wirklichkeit – die Bundesländer haben es versucht. Und über ihren Erfolg waren sie dann selbst überrascht. Das Drehbuch: Die sieben Landesvertretungen in den Ministergärten öffnen ihre Türen und feiern gemeinsam ein rauschendes Einheitsfest. Vor den offenen Türen standen dann auch Menschenmassen, um einmal zu schauen, wie die Saarländer und Niedersachsen in Berlin so residieren. Rund Zehntausend Besucher meldeten die einzelnen Vertretungen jeweils. Dass so viele kommen würden, damit habe man nicht gerechnet, hieß es zum Beispiel bei den Rheinland-Pfälzern. Manchmal ist die Wirklichkeit eben besser als das Drehbuch. Und das obwohl das Einheitsfest aus der Not heraus entstanden ist: Es war die Geldnot Berlins, die die Länder am Tag der Deutschen Einheit spontan gemeinsame Sache machen ließ. Denn wenn das Geld knapp wird, dann hält man zusammen. Das haben Hessen und Nordrhein-Westfalen schon beim Subventionsabbau gezeigt.

Weil die Firma Compact Team das mit dem Geld für die Feier am Brandenburger Tor nicht hingekriegt und der Senat das Geld nicht hat, haben eben die Landesvertretungen die Einheitsparty geschmissen. Einheitsparty? Es ging hier vor allem um Vielfalt. Die Bundesländer feierten den deutschen Föderalismus. Die gemeinsame Geschichte stand nicht im Vordergrund. Die Hessen zeigten eine Ausstellung über den amerikanischen Radiosender AFN und in einem der hinteren Räume der Mecklenburg-Vorpommerschen Vertretung tönte aus Lautsprechern ein Abriss der deutschen Geschichte. Mehr Einheit war nicht.

Die Länder nutzten den Tag, um Werbung in eigener Sache zu machen: Nette Damen drücken den Besuchern Prospekte über die mecklenburgische Ostseeküste in die Hand. Das „Reiseland Hessen“ lockte mit Plakaten von grünen Wäldern und glasklaren Flüssen. Und damit auch jeder genügend Werbezettel mitnehmen kann, gibt es für alle Papiertüten mit Länderwappen.

„Na ja, mit der Einheit hat das nichts zu tun“, sagt eine Reisegruppe aus Dortmund. Aber das Symbol der Einheit, das sei ja das Brandenburger Tor und da würden sie gleich noch hingehen. So denken die meisten hier, egal ob Berliner oder Touristen. Den Tag der offenen Tür in den Ministergärten halten sie trotzdem für eine tolle Idee. Doch das Einheitsgefühl, das kriege man nur am Brandenburger Tor, sagt ein Mann aus Pankow. Hier in den Ministergärten fühlt man vor allem Appetit – wegen der vielen Imbissstände. Die Pfälzer locken mit Saumagen und die Saarländer mit Lyoner Würstchen – auch kulinarisch macht in Deutschland jeder seins.

Den Westfalen aus Dortmund hat’s gefallen. „Der Saumagen war hervorragend“, hat einer von ihnen ins Gästebuch der Rheinland-Pfälzischen Vertretung geschrieben.

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