Tag der Galeristen : Mauerdemo an der Spree, Mauerkunst beim Tagesspiegel

Sonntag ist Maueraktionstag. Am frühen Nachmittag startet der Sonntagsspaziergang der Protestler entlang des Spreeufers. Zur gleichen Zeit malen die bekannten East-Side-Gallery-Künstler Kani Alavi und Thierry Noir im Verlagshaus des Tagesspiegels für den guten Zweck.

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Immer an der Wand lang. Touristen und Berliner flanieren an der West-Seite der East-Side-Gallery entlang.
Immer an der Wand lang. Touristen und Berliner flanieren an der West-Seite der East-Side-Gallery entlang.Foto: dpa

Es wird die zweite große Demo gegen die Bebauung des Spreeufers und gegen jegliche potenziell weitere Durchbrüche an der denkmalgeschützen größten Freiluftgalerie der Welt: Unter dem Motto „East Side Gallery und Todesstreifen retten!“ lädt ein Bündnis am heutigen Sonntag um 14 Uhr an die Mauergalerie in die Mühlenstraße nach Friedrichshain. Die Veranstalter gaben laut Polizei bei der Anmeldung des Protestspaziergangs an, dass die mit rund 1000 Teilnehmern rechnen, die sich gegen „eine veraltete Bauplanungspolitik aus den 90er Jahren“ wenden. Es werden aber möglicherweise mehrere tausend Demonstranten kommen - bei der ersten Sonntagsdemo am 3. März waren es mehr als 6000 Teilnehmer aller gesellschaftlichen Schichten und jeglicher politischer Couleur.

Gegen Durchbrüche und Bebauung, für Szenekultur und Weite am Wasser

Zum Mauerspaziergang entlang der Spree "gegen den Ausverkauf des Spreeufers", zum bewussteren Umgang mit dem kulturellen Erbe und zur Rettung der in aller Welt so beliebten typischen Berliner Szenekulturstätten wie den Spreestrandbars wird auch der US-Sänger David Hasselhoff aus Kalifornien erwartet. Er sollte Samstagabend in Berlin landen, Anfang der Woche wollten sein persönlicher Assistent Nicholas Corjon aus London und er nach Los Angeles fliegen.

Kritik an fehlender Bühne für Hasselhoff

Bei einigen Berlinern löste die Tatsache, dass Hasselhoff zwar kommt, aber nicht auf einer Bühne auftritt, Stirnrunzeln aus. "Ich bin kein Hasselhoff-Fan, aber ich finde es nicht fair, dass die Demo-Veranstalter sich zwar einerseits seiner Prominenz bedienen, aber ihm andererseits als Sänger nicht wenigstens eine kurze Auftrittsmöglichkeit ermöglichen", sagte bei einer spontanen Tagesspiegel-Umfrage etwa eine Frau aus Neukölln, die den Mann vor allem noch aus der Serie "Knight Rider" kennt. Dabei hätte doch gerade die Clubcommission alle Möglichkeiten gehabt, eine Bühne, eine Musikanlage oder eine Location kurzfristig bereitzustellen, sagte sie. Doch deren Sprecher betont, Hasselhoff habe gefragt, wie er die Berliner Initiative unterstützen könne, und er habe gar nicht mit einem Bühnenauftritt gerechnet oder darauf gepocht. Für Hasselhoff sei es ein humanitärer Akt gewesen, bei der Protestveranstaltung dabei zu sein und auf einer Pressekonferenz die politischen und persönlichen Hintergründe darzustellen. "Das erste, was ich gemacht habe, als ich das von der East Side Gallery erfahren habe, war, dass ich jemanden angerufen habe, der sich wirklich mit Computern auskennt, nämlich meine Schwester. Und habe ihr gesagt, bitte unterschreibe die Petition"; sagte David Hasselhoff am Sonntag vor der Presse in Berlin. "Diese Leute will ich unterstützen", das sei sein erstes Gefühl gewesen - in welcher Weise auch immer, und gern als Teilnehmer einer Demo.

Meter für Meter - die komplette East Side Gallery
Bevor sie vielleicht doch zerstückelt wird, sind wir die 1316 Meter der East Side Gallery abgelaufen und haben jedes einzelne Stück Mauerkunst im Bild festgehalten. Wir beginnen an der Oberbaumbrücke mit Oskar (Hans Bierbrauer) und "Ohne Titel".Weitere Bilder anzeigen
1 von 309Foto: Kitty Kleist-Heinrich
31.03.2015 17:41Bevor sie vielleicht doch zerstückelt wird, sind wir die 1316 Meter der East Side Gallery abgelaufen und haben jedes einzelne...

Die Mauerkünstler malen live im Tagesspiegel
Kani Alavi, der Vorsitzender der Künstlerinitiative East Side Gallery, demonstriert am Sonntag nicht mit an der Mauer. Der Künstler malt im Verlagshaus des Tagesspiegels am Askanischen Platz 3 in Kreuzberg nahe dem Anhalter Bahnhof live auf der Bühne bei der lang geplanten traditionellen Kunstauktion für das Kinderschutzzentrum Berlin zusammen mit East-Side-Gallery-Künstler Thierry Noir. Dass er nicht mitdemonstrieren kann, findet er nicht schade. „Ein grüner Bürgermeister hat alles genehmigt, und jetzt protestieren die Grünen gegen die Entscheidung – wir als Künstler sind überparteilich und unabhängig.“ Vorbesichtigung bei der Auktion von 48 Kunstwerken, die Galerist Andreas Kuhn, aber auch zahlreiche andere internationale Berliner und Brandenburger Künstler unterstützen, ist ab 13 Uhr. Die Auktion mit dem wie im vergangenen Jahr unentgeltlich agierenden Aktionator Fares Al-Hassan startet um 15.30 Uhr. Die Schirmherrschaft haben Bildungssenatorin Sandra Scheeres und Regisseur Rosa von Praunheim übernommen, die Künstlerin Renee van Bavel macht Musik. Alle Infos zur den Kunstwerken und zur Auktion im Netz: www.kszb.de/kunstauktion.php.

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