Tag der offenen Tür : Die Volksnahen

Angela Merkel zeigt ihren Garten, Horst Seehofer den aufgeräumten Schreibtisch, Peer Steinbrück fragt nach Wünschen. Am Samstag öffneten das Kanzleramt und die Bundesministerien ihre Türen zum „Staatsbesuch“. Auch am Sonntag sind Gäste willkommen.

Jörn Hasselmann,Christian van Lessen
Merkel
Ansturm auf Angie. Das Kanzleramt und die Kanzlerin stehen bei jedem Tag der offenen Tür im Mittelpunkt des Interesses. -Foto: ddp

Kurz vor Angela Merkels einmaligem Auftritt im Kanzlergarten verdunkelt sich der Himmel, so dass etliche Gäste vor der Bühne schon leichtes Unbehagen spüren. Aber das trockene Wetter hält durch, meint es gut mit Bundeskanzlerin Merkel und der Menge, überhaupt mit dem ganzen „Staatsbesuch“, zu dem die Bundesregierung das Volk auch heute noch mal einlädt. Die Bundesministerien sind geöffnet, Kabinettsmitglieder schauen persönlich vorbei, mehr als 150 000 Besucher werden erwartet.

Offene Türen im Kanzleramt gehören zu den Höhepunkten der Veranstaltung. Viele Besucher stehen schon früh auf der Brücke zum Kanzlergarten, auf der sie sich hoch über der Spree wie an einer Schiffsreling fühlen können. Auf dem Boden bietet das Bühnenprogramm Pop und klassische Musik, auch Interviews, etwa über wirtschaftlichen Aufschwung oder hohe Lebensmittelpreise. Vielen Besuchern ist das zu trocken. Der Boden dagegen ist stellenweise matschig, weil es am Freitag heftig geschüttet hat.

Das Bundesfinanzministerium an der Wilhelmstraße, vor einer Woche noch als Reichsluftfahrtministerium für Filmzwecke mit Hakenkreuzfahnen ausstaffiert, ist jetzt mit den bunten Fahnen aller EU-Länder geschmückt. Dadurch wirkt das graue Haus gleich viel freundlicher. Im großen Hof mit dem weitläufigen Rasen können Besucher Live-Musik hören, sich über die Zoll-Arbeit informieren oder auch „Laserschießen für jedermann“ üben. Sie können auch auf Fähnchen schreiben, was sie sich von Finanzminister Peer Steinbrück wünschen. Die Fähnchen werden wie auf einer Wäscheleine aufgehängt: Gewünscht werden weniger Steuern, weniger Schulden oder mehr Geld für die Schulen. Wie nötig das sein mag, zeigt ein anderer Zettelwunsch: „Keine Umweltferschmutzung mehr“. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales an der Wilhelmstraße erstaunt die Besucher vor allem durch seinen hellen Lichthof. Die Leute schauen immer wieder fasziniert in die Höhe, und die vielen Infostände müssen schwer gegen das Interesse an der schönen Umgebung ankämpfen. Vorm nahen Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz steht vormittags die Polizei: Tierschützer protestieren gegen Käfighaltung, eine nackte Frau hat sich eingesperrt. Minister Horst Seehofer sagt derweil im Haus, dass ihn gerade die neuesten Fälle von Vogelgrippe in Bayern beschäftigen. Aber jetzt könne hier jeder unbesorgt seinen Schreibtisch anschauen. „Der ist immer aufgeräumt.“

Im Bundespresseamt ist die Kinderpressekonferenz eine Attraktion. Die neunjährige Linda will wissen, ob Angela Merkel gut in der Schule war. Sie ist enttäuscht, dass der Sprecher ausweichend antwortet. Ein Junge korrigiert ihn an anderer Stelle: Afrika sei kein Land, sondern ein Kontinent. Stolz zeigen alle das Namensschild „Kinderreporter“.

Die Bundesministerien für Familie und für Umwelt bieten vorm Bahnhof Friedrichstraße ein musikalisches Bühnenprogramm. Es ist lautstärker und lockt mehr Leute an als das Programm vorm gegenüberliegenden Bundespresseamt. Vergleichsweise ruhig geht es vorm Bundesbau- und Verkehrsministerium und dem benachbarten Wirtschaftsministerium an der Invalidenstraße zu. Die Mitarbeiter fühlen sich dort ein wenig abseits, dabei bieten sie viel Information. Auf der Treppe zum Wirtschaftsministerium ist ein langer roter Teppich ausgelegt. Der wird nicht allzu sehr beansprucht.

Sehr voll ist es bei der Bundeswehr, die sich im Bendlerblock als Feldlager „Camp Bendler“ präsentiert, mit Sandsäcken und Soldaten in beiger Wüstenuniform. Die Auslandseinsätze stehen im Mittelpunkt. Gezeigt werden eine Austellung von Flug- und Fahrzeugen, auch ein Feldlazarett. Junge Mädchen und ältere Männer klettern mit gleicher Begeisterung ins Cockpit des neuen Hubschraubers UH-90. Ungläubige Gesichter, als ein Soldat erklärt, dass der Leopard-2-Panzer den Asphalt weniger belastet als ein normaler Pkw.

Das ganze Programm im Internet:

einladung-zum-staatsbesuch.de

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