Tag der offenen Tür : Menschen, Tiere und Minister - vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren nutzen am Tag der offenen Tür in den Bundesministerien Zehntausende die Gelegenheit, den Ministern einmal näher zu kommen. Was Daniela Martens damals schrieb.

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Ilse Aigner und das schwarze Schaf.
Ilse Aigner und das schwarze Schaf.Foto: dpa

Das schwarze Schaf schwankt zwischen Misstrauen und Panik, die drei weißen sind noch ängstlicher. Ilse Aigner schnalzt beruhigend mit der Zunge. Aber nicht mal Bestechung hilft: Das trockene Brötchen, das sie den Tieren hinhält, wird verschmäht. Es ist Samstagmittag, der erste von zwei Tagen der offenen Tür in den Bundesministerien. Ilse Aigner, Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, hat nicht nur Menschen in ihrem Ministerium an der Wilhelmstraße zu Gast, sondern auch eine kleine Schafherde in der hinteren Ecke des Innenhofs einquartiert. Doch die Frau ist den Tieren nicht ganz geheuer.

Ganz anders geht es den Menschen: Vor allem ein 70-jähriger Landwirt aus Mecklenburg-Vorpommern hat keine Berührungsängste. In Socken, Sandalen, ausgebeulten Shorts und durchgeschwitztem Polohemd stürzt der korpulente Mann der Ministerin entgegen. Er hat einiges mit ihr zu besprechen: Anbau von Gen-Kartoffeln, Förderung für Nebenerwerbslandwirte und Bauern, die Bienen halten. Aigners Antworten gehen im Quietschen des Clowns unter, der auf der Bühne eine Handvoll Kinder unterhält. So richtig zufrieden ist der Landwirt nicht mit dem Gespräch. Andere Minister will er nicht treffen: „Frau Aigner ist doch diejenige, welche!“

Auf der anderen Seite der Spree, in der Bundespressekonferenz an der Reinhardtstraße, geht es einem arbeitslosen Schlosser aus Hellersdorf ähnlich. Auch er ist eigens wegen einer brennenden Frage zu einer Veranstaltung am Tag der offenen Tür gekommen: zur „Pressekonferenz“ mit Innenminister Thomas de Maizière, bei der Bürger die Journalisten ersetzen. „Wie soll das Problem mit den jugendlichen Intensivtätern gelöst werden, die frei herumlaufen und uns den Stinkefinger zeigen?“, fragt der 49-Jährige ins Mikrofon. Der Minister antwortet mit einem langen Monolog über Verantwortung der Eltern und Jugendstrafrecht. „Wahrscheinlich habe ich die Frage nicht richtig formuliert“, sagt der Mann im roten Polohemd hinterher enttäuscht. Immerhin lässt er sich nach der Konferenz noch an de Maizières Platz mitsamt Namensschild des Ministers fotografieren. „Um meiner Frau zu beweisen, dass ich tatsächlich hier war.“ Der Hellersdorfer war einer von Zehntausenden, die schon am ersten Tag der offenen Tür die Bundesministerien besucht haben.

Im Finanzministerium an der Wilhelmstraße steht eine zufriedene Besucherin, eine 55-Jährige Hausfrau aus Wittenau. Sie hat fünf Mal ins Schwarze getroffen an der Biathlon-Schießanlage des Zolls – allerdings ohne Munition, mit einem Lichtsignal. Und sie schwärmt von den Zollhunden, die unter Anleitung ihrer „Herrchen“ verstecktes Haschisch aufgespürt haben. „Wissen Sie, man konnte diese Liebe zwischen Tier und Mensch sehen.“ Das war bei Frau Aigner und den Schafen anders.Daniela Martens

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren"

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