"Tag der Pflege" : Schwestern und Pfleger protestieren am Donnerstag

Am "Tag der Pflege" gibt es auch in Berlin Proteste vor Kliniken und Heimen. Der Senat verabschiedet den Landespflegeplan 2016 wohl noch im Mai.

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Alles auf einmal. Gegen die Überlastung des Pflegepersonals richtet sich der für Donnerstag geplante Protest. Hier ein Archivbild aus dem Klinikum Neukölln.
Alles auf einmal. Gegen die Überlastung des Pflegepersonals richtet sich der für Donnerstag geplante Protest. Hier ein Archivbild...Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Bundesweit wollen Schwestern und Pfleger an diesem Donnerstag vor Altenheimen und Kliniken protestieren. Zudem wird ab 13 Uhr vor dem Amtssitz von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) in Berlin-Mitte auf massenhaft angehäufte Überstunden aufmerksam gemacht.

Anlass ist der internationale „Tag der Pflege“, der jedes Jahr am 12. Mai begangen wird. Die Gewerkschaft Verdi protestiert seit Jahren gegen den weithin anerkannten Fachkräftemangel der Branche. Zehntausende Schwestern und Pfleger dürften bundesweit akut fehlen. An der Berliner Charité hat Verdi deshalb kürzlich einen Tarifvertrag für mehr Personal unterzeichnet. Bundesweit arbeiten fast eine Million Frauen und Männer in 12 000 ambulanten Diensten und 12 500 Heimen. Der Personalbedarf könnte sich bis 2050 nahezu verdoppeln, denn Deutschland wird im Schnitt älter. Bis 2050 wird sich die Zahl der Plus-80-Jährigen auf zehn Millionen verdoppeln, ab Mitte 80 braucht fast ein Drittel der Senioren dauerhaft Hilfe.

Der Berliner Senat sollte sich vom Ärger der Demonstranten nicht ausgenommen fühlen. Während der Personalmangel in Heimen und Kliniken im ganzen Land als dramatisch gilt, wartet die Branche in Berlin außerdem noch auf den Landespflegeplan 2016, den der Senat am Dienstag beschließen wollte – und was offenbar wegen Formalien verschoben wurde.

Nachwuchs in die Branche locken

Der Landespflegeplan soll regeln, was die Politik in den nächsten Jahren zu erledigen hätte. Vor allem: mehr Nachwuchs in die Branche locken. Der Personalmangel in Heimen und Kliniken führt seit Jahren zu Streit – die Löhne sind vergleichsweise niedrig, weshalb viele Fachkräfte die Branche verlassen. Zudem hätten Pflegekräfte nach wie vor keine wirksame Lobby, obwohl der Senat das angekündigt habe – Jasenka Villbrandt, Pflegeexpertin der Grünen im Abgeordnetenhaus, kritisierte am Mittwoch wiederholt Sozialsenator Mario Czaja (CDU).

Auch in seiner Legislatur sei die Pflege nicht gestärkt worden. Die Bezirke, die ärmere Haushalte beim Einsatz von ambulanten Pflegediensten bezuschussen, würden vom Senat allein gelassen. Die einzig gute Nachricht käme von Pflegenden selbst, sagte Villbrandt, die an der Charité einen festen Personalschlüssel durchsetzen konnten. Auch Czaja hatte den bundesweit einmaligen Tarifabschluss für mehr Personal an der Universitätsklinik gelobt.

Schwerpunkt zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen enthalten

Bis 2030 wird die Zahl der pflegebedürftigen Berliner auf 170 000 ansteigen – was mehr Arbeit für Heime und Kliniken bedeutet. In Berlin arbeiten Zehntausende in der Pflege. In der Hauptstadt gibt es bald 620 ambulante Dienste und fast 400 Heime – fast überall besteht Personalbedarf. Mehr Nachwuchs für die Pflegeberufe und bessere Arbeitszufriedenheit in Heimen und Kliniken seien die derzeit wichtigsten Ziele, erklärte Czajas Büro auf Nachfrage.

Der Landespflegeplan 2016 solle deshalb einen Schwerpunkt zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen enthalten. In der nächsten Sitzung der Landesregierung am 24. Mai wird der Plan besprochen, bis dahin prüft ihn die Senatsfinanzverwaltung.

Am Tag der Pflege, dem 12. Mai, wurde 1820 übrigens die Britin Florence Nightingale geboren. Sie gilt als Begründerin der systematischen Krankenpflege. Nightingale informierte sich in Kliniken diverser Länder und erstellte aus ihren Beobachtungen eine Ausbildung für das englische Gesundheitswesen.

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