Tag des offenen Denkmals : Entstaubte Ideen im Patentamt

Der Tag des offenen Denkmals lohnt sich auch dort, wo man es nicht vermutet. Zum Beispiel bei einer Führung durchs Patentamt.

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Das Patent für den elektrischen Wecker, der nur bei Aussicht auf gutes Wetter Alarm schlägt, stammt von 1897. Der Reisekoffer, der sich in ein überdachtes Bett verwandeln lässt, von 1903. Dokumente über kuriose Erfindungen beherbergt das große Patentamtsgebäude in der Gitschiner Straße zahlreiche. Bei einer Führung durch das denkmalgeschützte Haus am Tag des offenen Denkmals erfährt man aber noch viel mehr über die eigentümliche Welt des Patentwesens.

Zunächst einmal, dass diese vor der Zeit der Digitalisierung ziemlich staubig war. In einem historischen Prüferzimmer öffnet Falk von Moers, Direktor des heute im Westtrakt ansässigen Europäischen Patentamtes, den Deckel eines Schrankes: Eine Waschschüssel kommt zutage. Die rund 15 Teilnehmer der ersten Führung lachen. Sie vermuten, der damals hier arbeitende Patentprüfer – aufgrund seiner umfangreichen Bibliothek zu den Themen Reifen, Ventile und Luftpumpen offenbar ein Fahrradspezialist – muss die Schüssel oft benutzt haben. Denn überall, zwischen den langen Regalwänden der Archive, im Recherchesaal und auch in diesem Büro, riecht es nach Bücherstaub. Er dringt in die Nase und heftet sich an Finger und Kleidung, wenn Ingeborg Partsch aus Neukölln und Erika Steffen aus Lichterfelde den alten Rollenband mit den ersten Patenten aufschlagen oder den schweren Ordner mit den schönen historischen Wein- und Cognac-Etiketten öffnen. „Es ist sehr spannend zu sehen, welche Schätze sich hier überall verstecken“, sagt Steffen, die den Tag des offenen Denkmals jedes Jahr nutzt, um in Berlin neue Orte zu entdecken.

An dem von Hermann Solf und Franz Wichards entworfenen, 1905 eröffneten Patentamt mit seiner über 240 Meter langen Front und seinen ehemals 700 Arbeitsräumen ist auch die Architektur interessant. „Es ist ein Mix aus Barock, Renaissance und Gotik, der bei der Sanierung erhalten blieb“, erklärt Sachgebietsleiterin Sabine Schmidt. Denn rund 80 Prozent des Gebäudes wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und bis ins Jahr 2000 sukzessive saniert. Heute werden hier keine deutschen Patente mehr geprüft und erteilt, das geschieht am Hauptsitz des Deutschen Patent- und Markenamts in München. In Berlin befindet sich mit dem Technischen Informationszentrum seit 1950 nur noch eine Außenstelle des Amtes. Dennoch bekommen die Teilnehmer der Führung auch auf alle ihre Fragen zum aktuellen Patentrecht eine ausführliche Antwort. So erklärt von Moers, warum das Europäische Patentamt über sieben Außenbriefkästen verfügt – für jeden Wochentag einen. „Nur so können wir bei konkurrierenden Ideen genau feststellen, welche Erfindung Schutzrecht genießt“, sagt von Moers. Und er rät, Patentanmeldungen nur durch einen Anwalt vorzunehmen. „Denn die Patentsprache ist eine Sache für sich. Da reicht eine falsche Formulierung, und die Konkurrenz freut sich.”

Als die Führung nach anderthalb Stunden beendet ist, treten die Teilnehmer blinzelnd hinaus in die Sonne, dann trennen sich ihre Wege wieder. Erika Steffen will an diesem Sonntag zum Deutschen Technikmuseum, sie lockt der daran angeschlossene Park. Ingeborg Partsch zieht es ins Stadtbad Neukölln. „Das kenne ich noch aus Kindertagen”, sagt die 64-Jährige. Ein Bad in alten Erinnerungen sozusagen. Eva Kalwa

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