Tag des offenen Denkmals : Geschichtsstunde im Grünen

300 Denkmäler und mehr als 1000 Veranstaltungen stehen am Wochenende im Programm zum Tag des offenen Denkmals. Über vielen von ihnen liegt ein langer Dornrösschenschlaf.

von
Stelenfreunde.
Stelenfreunde.

Nahezu vergessen ist die Sandsteinstele, von Grün überwuchert, die Inschriften sind verwittert. Dabei war das Schildhorndenkmal einmal eines der beliebtesten Ausflugsziele der Stadt. In Scharen pilgerten die Berliner um 1900 zum Picknicken und Baden ans Havelufer im Grunewald.

An diesem Wochenende soll die Tradition mit einer Geschichtsstunde im Grünen wiederbelebt werden. Der Tag des offenen Denkmals macht es möglich. Interessierte können am Sonnabend und am Sonntag mehr als 300 Bau- und Gartendenkmäler in allen Bezirken besichtigen, mehr als 1000 verschiedene Veranstaltungen stehen im Programm. Das Schildhorndenkmal ist zum ersten Mal dabei.

Organisiert hat das Stefan Krappweis. Im Mai hat er zusammen mit knapp 20 Mitstreitern den Verein „Bürger für Schildhorn“ gegründet. Krappweis will die Halbinsel wieder attraktiv machen, Wege ausbessern, der Säule eine neue Inschrift geben. Langfristig schwebt ihm vor, einen Volkspark zu gestalten.

Gestrüpp hat der Verein schon beseitigt und so die Sicht auf das andere Ufer freigeräumt. Nun ist der Blick wieder bis zur Jaczoschlucht frei, wo ein anderes vergessenes Denkmal steht, der Jaczoturm. Die Havel trennt die Denkmäler, verbindet sie aber auch; erzählen doch beide dieselbe Geschichte.

Der Schildhornsaga nach soll der Slawenfürst Jaczo von Köpenick hier 1157 in die Havel gesprungen sein. Er war auf der Flucht vor Albrecht dem Bären, der die Mark Brandenburg erobert hatte. Als Jaczo zu ertrinken drohte, flehte er den Gott der Christen an – und mit göttlichem Beistand erreichte er das rettende Ufer am Schildhorn. Danach legte er seine Waffen ab und ließ sich taufen. 1844 ließ Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. zur Erinnerung an die Geburtsstunde der Mark Brandenburg das Schildhorndenkmal errichten. 1914 folgte der Jaczoturm.

Am Sonnabend und Sonntag wird Krappweis über das Schildhorn führen, während am anderen Ufer Grundschüler zweier Spandauer Schulen die Schildhornsaga nachspielen und die Geschichte Jaczos als Rap auf die Bühne bringen. An das jeweils andere Ufer schwimmen muss aber niemand. Zwischen Jaczoturm und Schildhorn pendelt eine Fähre (siehe Kasten).

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