Berlin : Tag des offenen Denkmals: Wilhelminische Industriearchitektur für Baumarkt und Ikea

Ole Töns

"Königliche Industriearchitektur" soll mit neuen Gewerbeansiedlungen im alten Tempelhofer Reichsbahnausbesserungswerk am Sachsendamm wieder für die Öffentlichkeit zugänglich werden. Denn die riesigen Backsteinhallen auf der langjährigen Industriebrache sind von demselben Architekten entworfen worden wie die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und der Anhalter Bahnhof, Franz Heinrich Schwechten (1841 bis 1924). Das sagte gestern der stellvertretende Landeskonservator, Klaus-Henning von Krosigk, bei der Grundsteinlegung für Sanierungsarbeiten auf dem rund 130 000 Quadratmeter großen Gelände. Schwechten gilt architekturgeschichtlich als Vertreter des Historismus und als einer der Lieblingsarchitekten Wilhelms II.

Dass die historischen Backsteinbauten lange Jahre ungenutzt erhalten blieben, resultiert laut Baustadtrat Gerhard Lawrentz (CDU) vor allem aus der deutschen Teilung. Bis 1998 befand sich das Gelände im Besitz der DDR-Reichsbahn. Seit 1994 stehen die Gebäude unter Denkmalschutz. Vor zwei Jahren wurden die Kaufverträge mit der Hamburger Entwicklungsfirma für Gewerbeflächen Böge unterzeichnet. Erhalten sind neben großräumigen Industriehallen auch noch eine Schmiede und weitere Werkstattbauten. Von architekturgeschichtlicher Bedeutung sind die unterschiedlichen Metallverstrebungen in den Deckenkonstruktionen der Hallen, die Ende des 19. Jahrhunderts nacheinander entstanden waren. Darauf wies der für den Bezirk zuständige Vertreter des Landesdenkmalamtes, Wilhelm Fuchs, hin.

In den historischen Hallen wird künftig unter anderem eine Baumarktkette ihr größtes Berliner Lager mit Verkaufsabteilung einrichten. Über die Ansiedlung von Berlins größter Niederlassung des Einrichtungshauses Ikea wird derzeit noch verhandelt.

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