Berlin : Tage der Einheit

Nach jahrelangem Streit gibt Brandenburg nach – damit kann eine der letzten Lücken des Mauerradwegs geschlossen werden.

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Abgefahren. Der 160 Kilometer lange Mauerweg wurde in den Jahren 2002 bis 2006 realisiert, eine Lücke blieb – die im Süden Berlins. Foto: Thilo Rückeis
Abgefahren. Der 160 Kilometer lange Mauerweg wurde in den Jahren 2002 bis 2006 realisiert, eine Lücke blieb – die im Süden...

Mahlow - Fast wäre sie geblieben, eine einzige Lücke im Mauerradweg. Aber nach langem Streit kann der bei Spaziergängern und Radlern beliebte Rundweg um den einst abgeriegelten Westteil Berlins nun doch komplett vollendet werden. Die Strecke ist inzwischen sogar Vorbild für das EU-Projekt eines 7000 Kilometer langen Europa-Radweges „Eiserner Vorhang“.

Nach Tagesspiegel-Informationen gibt es jetzt einen Durchbruch, so dass in der Gemeinde Mahlow im Süden Berlins der bislang fehlende Abschnitt des Weges geschlossen werden kann. Dafür muss ein Tunnel unter der Dresdner Bahn errichtet werden. Ob dieser erst gebaut wird, wenn auch die neuen ICE-Gleise verlegt werden – die Rede ist mittlerweile von der Inbetriebnahme der Dresdner Bahn im Jahr 2020 (siehe Kasten) – oder bereits früher, ist unklar.

Noch vor wenigen Tagen stand alles auf der Kippe. Da wäre der Bau des Tunnels beinahe an der Potsdamer Landesregierung gescheitert, die zu dem von Berlin finanzierten 1,2-Millionen-Projekt auf brandenburgischem Gebiet lange Zeit nicht einmal rund 250 000 Euro beitragen wollte. Doch nun lenkt man ein in Potsdam. Brandenburgs Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) teilte auf Anfrage mit, dass eine Lösung in greifbarer Nähe ist. „Ich werde dem Landtag einen Vorschlag unterbreiten.“

Hinter den noch dürren Ministerworten verbirgt sich das nahe Ende einer langen und länderübergreifenden Diskussion, die von Brandenburg immer wieder blockiert worden ist. In penetranter Hartnäckigkeit geführt hat diesen Kampf der Berliner Grünen-Europaabgeordnete Michael Cramer, ohne den es den Mauerradweg und nun auch den Lückenschluss in Mahlow nicht geben würde.

„Es wäre ein Witz gewesen, wenn der letzte Abschnitt an Brandenburg scheitert“, sagt Cramer nun. Ein Witz deshalb, weil der Mauerradweg bislang allein ein Berliner Projekt ist, bereits mit zehn Millionen aus Hauptstadttöpfen finanziert, obwohl nach seinen Angaben 120 Kilometer der 160 Kilometer langen Strecke auf dem früheren Postenweg der DDR-Grenztruppen über brandenburgisches Territorium verlaufen.

Auch den Bau des Tunnels bei Mahlow finanziert wieder Berlin, die nötigen Mittel von 1,2 Millionen Euro liegen schon seit 2010 bereit, berichtet Cramer. „Es könnte längst geklärt sein, wenn Brandenburg nicht so gemauert hätte.“ Ehe sich nun doch alles fügt, hat er unzählige Briefe geschrieben und Gespräche geführt, ist aber bei Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) und beim Infrastrukturministerium nicht vorangekommen. Noch im März hatte Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) ihm eine freundliche Absage geschickt und es mit weiteren ungelösten Problemen begründet, die es trotz der Berliner Finanzierungszusage für den Tunnel gebe. „Gegenwärtig wird deshalb keine Möglichkeit gesehen, am Vorhaben ’Lückenschluss’ des Mauerradwegs mitzuwirken“, schrieb Platzeck. „Ich bedaure das, weil ich das Projekt selbst für politisch bedeutsam halte.“

Andere hätten vielleicht aufgegeben. Doch Cramer blieb hartnäckig, intervenierte weiter. Er erreichte, dass die Deutsche Bahn und das Bundesverkehrsministerium mitzogen. Auch die Gemeinde Mahlow-Blankenfelde leistete ihren Part. Sie kaufte das Grundstück und übernimmt die Baulast. Am Ende hing alles nur davon ab, ob Brandenburg wenigstens die Ablösesumme von 120 000 bis 250 000 Euro übernimmt.

Dass Brandenburgs Infrastrukturministerium sich sträubte, aber 51 Millionen Euro für einen Paddelkanal im Lausitzer Seenland finanziert, war für Cramer ein Skandal. Doch nun wird alles gut, nachdem sich hinter den Kulissen auch Linke-Fraktionschef Christian Görke eingeschaltet hat. Die Koalition will mit dem Haushalt 2013/2014 beschließen, dass das Land die 250 000 Euro übernimmt. Es gibt eine Verständigung mit Vogelsänger und Finanzminister Helmuth Markov (Linke)

Er sei natürlich froh, wenn es nun hieße, „Ende gut, alles gut“, sagt Cramer. Doch nach seinen bisherigen Erfahrungen will er es erst richtig glauben, „wenn Brandenburg den entscheidenden Brief an die Bahn geschickt hat, mit dem die Unterführung beauftragt wird.“ Zu lange sei es „rauf und runter gegangen.“

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