Berlin : Tage der offenen Tür: Frohe Botschaften

C.v.L./kög

Tage der offenen Tür in der Schweizer Botschaft und in der bayerischen Landesvertretung, die Geburtstagsfeier des Bundesgrenzschutzes (BGS) am Alex und das Elefanten-Baby im Tierpark - die Berliner und ihre Besucher hatten gestern beim Stadtbummel die Qual der Wahl.

Shawne taufte "Das Tram"

"Das Geilste an der Schweizer Botschaft ist die Gattin des Botschafters". Mit solchen Sprüchen muss man rechnen, wenn man die Berliner auffordert, auf Anhieb etwas zur Schweiz zu sagen. Beim Tag der offenen Tür in der sanierten und erweiterten Botschaft neben dem neuen Bundeskanzleramt sind die Gedankenblitze aufgeschrieben. Von Heidi bis zu den Löchern im Käse. Schon eine halbe Stunde vorm Einlass um neun haben sich weit über 100 Leute geduldig angestellt, und bis 14 Uhr sind über 5000 Leute durchgeschleust, bei einem abwechslungsreichen Rundgang, der von diversen Künstlern begleitet wird.

Ein Kellner hantiert beispielsweise im Empfangssaal am Kronleuchter, schraubt Birnen ein und aus und gibt von der Leiter herab respektlose Kommentare. Einige Besucher wollen nicht glauben, dass ein Kabarettist am Werk ist. Einige Gruppen machen Musik. Das Innere des Neubaus versöhnte viele mit der nüchternen Außenwirkung, vom Botschafterbüro ein Fotopanorama vom Lehrter Bahnhof über den Reichstag bis zum Kanzleramt.

Viele wollten nur die Botschafterfrau sehen, Shawne Fielding-Borer, doch die fuhr mit ihrem Mann und einer Abordnung aus Basel erst einmal mit der Straßenbahn durch Mitte. "Das Tram" rollt als Baseler Werbeträger eine Woche durch Berlin, heute zum Nulltarif; Shawne hatte das Gefährt am Kupfergraben getauft.

Prosit bei den Bayern

Mit einem Getränkegutschein am Eingang locken die Bayern in ihre Landesvertretung an der Behrenstraße. Bis zum Mittag sind knapp 2000 Besucher erschienen, gut die doppelte Zahl erwart man auch hier bis zum Nachmittag. Im Haus herrscht bei Blasmusik dichtes Gedränge, der Bierkeller ist leider geschlossen, doch die Gutscheine werden an Ständen gern in Bier und Wein getauscht; die Urlaubsregionen Bayerns nutzen die Gelegenheit zur Werbung.

Martialische Unterwäsche

Liegt es an den sternklaren Nächten, in denen Blicklichter am Firmament die Bedeutung des Berliners und seiner Hauptstadt relativieren? Am Dauerblau des Himmels, an dem Flugzeuge weiße Bänder des Fernwehs abstreifen? Jedenfalls präsentierte sich der BGS beim "Großen Bürgerfest" zum 50-jährigen Bestehens locker und selbstironisch. "Martialisch im Schnitt und mit militär-erotischem Ausdruck": So der Kommentar des Conferenciers bei einer historischen Modenschau zur BGS-Unterwäsche. Derweil drehte Kollege Jörg Maletzke aus Eschwege ein Video. "Wir feiern im Juli, und ich gucke, wie ihr das hier macht". Sportschule, Küstenwache, Tauchertrupp, Helikopter, alles mit dabei. Ein Fingerabdruck-Pass ist aber doch nicht das rechte Berlin-Souvenir für Gavin Mitchell aus Australien.

Rüssel-Rüffel

"Oooch, ist der mikro! So winzig habe ich mir den nicht vorgestellt!" Nicht nur Robert, 13, aus Köpenick ist begeistert vom kleinen Elefanten. So rosa! So wackelig auf den Beinen! Und so vorwitzig, wie er sich von den Rüssel-Rüffeln seiner Mutter nicht zurechtweisen lässt. Die Menschen strömen zum Elefantenhaus, und auch dort zeigt man sich nachsichtig. Wegen der besseren Sicht entern viele einfach die Blumenrabatte - und niemand meckert.

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