Tagesspiegel-Akademie : Geschichten und "Fische"

Am Wochenende lernten Tagesspiegel-Leser bei ihrer Zeitung alles über Artikel, Karikaturen – und die Kunst des Smalltalks.

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Nicht nur Lesestoff. Bei der Tagesspiegel-Akademie wurde auch mit Zeitungspapier gebastelt. -Fotos. Kai-Uwe Heinrich

Ein paar Striche reichen aus – und Angela Merkel ist fertig. Schließlich hat Tagesspiegel-Karikaturist Klaus Stuttmann die Bundeskanzlerin schon so oft gezeichnet. Normalerweise sitzt er dabei entspannt in seinem Büro. Aber an diesem Sonntagmittag steht er etwas unbequem in einem der Konferenzräume des Tagesspiegels: Er hält seinen Zeichencomputer auf Kinnhöhe, so dass ihm 120 Tagesspiegel-Leser bei der Arbeit zusehen können. Sie sind zum ersten Tagesspiegel-Akademietag gekommen: Einen Nachmittag lang präsentiert ihnen die Redaktion „Themen, die in der Zeitung vorkommen, mal auf andere Weise“, sagt Redakteurin Dorothee Nolte, die Organisatorin der Veranstaltung. „Liebe Tagesspiegel-Familie“, hat Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff zuvor die Leser begrüßt, „willkommen in der neuen Wohnung“. Damit meint er das Gebäude am Askanischen Platz, wo der Tagesspiegel seit Oktober seinen Sitz hat.

Nach dem „Presselunch“ mit Casdorff und Stuttmann erkunden die „Familienmitglieder“ das neue „Zuhause“. Sogar im großen Konferenzraum im dritten Stock, wo sonst Redakteure über Themen diskutieren, sitzen ausnahmsweise Leser: Beim Workshop „Wie wird ein Thema zur Geschichte?“ spricht Reporterin Deike Diening über Anfänge, Emotionen, die Perspektive und den Tonfall einer Reportage.

Im Erdgeschoss geht es währenddessen um Fische: „So hat man das damals genannt, wenn wir einen falschen Buchstaben gesetzt haben“, erzählt Uli Hesse, der von 1956 bis 2003 Setzer beim Tagesspiegel war. Damals – das ist jene Zeit, in der Zeitungen noch mit der Hand gesetzt wurden. „Die schwarze Kunst – Zeitungsdruck früher und heute“ heißt Hesses Seminar. „Früher konnte man die Buchstaben noch anfassen“, sagt er und lässt jeden Leser mal ein „N“ aus Blei halten. Manche Kinder sind mit ihren Eltern zu den Seminaren gekommen, andere basteln lieber: In der Rotunde im Erdgeschoss zerschnibbelt ein Mädchen die Titelseite der Sonntagsausgabe, um daraus Papiersandalen herzustellen. Später lernen 8- bis 14-Jährige, wie man selbst einen Artikel schreibt. Aber nicht alle Workshops haben auf den ersten Blick etwas mit Zeitung zu tun: Besonders viele Teilnehmer interessieren sich für den Kurs von Elisabeth Binder, die eine Kolumne über Benimmregeln schreibt: „Die Kunst des Smalltalks“. Tagesspiegel-Akademietage sollen von jetzt an alle zwei bis drei Monate stattfinden – als regelmäßiges Familientreffen. Daniela Martens

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