• Tagesspiegel-Aktion "Menschen helfen": Essen für Kinder und Fahrräder für Flüchtlinge

Tagesspiegel-Aktion "Menschen helfen" : Essen für Kinder und Fahrräder für Flüchtlinge

Für die Tagesspiegel-Aktion "Menschen helfen" wurde die Rekordsumme von 354.548 Euro verteilt – nun fand feierlich die Scheckübergabe an 60 Projekte statt.

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Der Chor eröffnete die Veranstaltung mit einem kurdischen und einem arabischen Lied.
Der Chor eröffnete die Veranstaltung mit einem kurdischen und einem arabischen Lied.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Florian Kranefuß machte eine Kunstpause, dramaturgisch war das völlig in Ordnung. Es ging ja um eine Rekordsumme, es ging um die großen Zahlen. Also wartete der Geschäftsführer des Tagesspiegels ein paar Sekunden, blickte von der Bühne auf die Gäste, genoss die Spannung und verkündete dann: „Es waren exakt 354 548 Euro und 46 Cent.“ Applaus von allen Seiten.

Und Kranefuß sagte stolz: „Wow!“ 354 548,46 Euro, so viel Geld konnte nach Spenden der Leserinnen und Leser des Tagesspiegels bei der jüngsten Aktion „Menschen helfen“ verteilt werden, rund 55 000 Euro mehr als ein Jahr zuvor. „Damit haben wir nie gerechnet“, sagte Kranefuß beeindruckt. Allein 27 500 Euro überwies ein Ehepaar aus Berlin. 60 Projekte werden unterstützt, am Montag durften die Vertreter der jeweiligen Einrichtungen ihren Scheck entgegennehmen, im Verlagsgebäude am Askanischen Platz und im feierlichen Rahmen natürlich. Der Tagesspiegel-Chor sang gleich in mehreren Sprachen, schließlich hat er nun auch vier Mitglieder aus Syrien.

Rede von Mario Czaja

Nur konsequent also, dass der Chor die Veranstaltung mit einem kurdischen und einem arabischen Lied eröffnete. Die Musik stand als Symbol für diese Veranstaltung, Flüchtlinge sind ein beherrschendes Thema in der Stadt, ihr Schicksal, ihre Unterstützung prägen die Arbeit von mehreren Projekten, die mit dem Geld der Leserinnen und Leser unterstützt werden. Flüchtlinge, sie waren auch Thema der Rede von Gesundheits- und Sozialsenator Mario Czaja (CDU). „Wir hatten unerträgliche Zustände“, sagte er auch durchaus selbstkritisch, „aber wir haben ein paar große und viele kleine Schritte nach vorne gemacht.“

Das langfristige Ziel sei nun „die Integration der Flüchtlinge, die bleiben dürfen“. Aber, das sagte Czaja auch, „man darf nicht vergessen, dass es viele andere Stellen gibt, an denen geholfen wird“. Die Kältehilfe zum Beispiel. Die erhielt für den vergangenen Winter so viel Geld wie noch nie. Sie hatte damit auch so viele Plätze wie noch nie, knapp 1000 Plätze genau gesagt.

Zweifellos sei viel schiefgelaufen

Und die Wirkung? „Zum ersten Mal haben damit mehr Betten zur Verfügung gestanden, als erforderlich waren.“ Czaja hob aber auch das „zivilgesellschaftliche Engagement“ heraus, ohne das eine breite Unterstützung von Notleidenden nicht möglich sei.

Rede von Senator Mario Czaja.
Rede von Senator Mario Czaja.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt lag „eine Sache besonders am Herzen“. Er wünscht sich „etwas mehr Verständnis für die Arbeit der Menschen in der Verwaltung“, die sich um Flüchtlinge kümmerten. Zweifellos sei viel schiefgelaufen, aber es sei beeindruckend, „mit wie viel Engagement versucht wird, dieses Thema in den Griff zu bekommen“. Viele Mitarbeiter der Verwaltung hätten darunter gelitten, „welches Image sie in der Öffentlichkeit haben. Sie haben trotzdem weitergemacht.“ Zu den Projekten, die mit den Spenden unterstützt werden, gehört zum Beispiel das Mehrgenerationenhaus in der Wassertorstraße in Kreuzberg.

Dort erhalten Schüler zweimal pro Woche ein warmes Mittagessen. Jetzt können die Mitarbeiter nicht bloß eine neue Küche kaufen, nun können die Kinder drei Mal pro Woche warm essen. Ihre Eltern sind nicht in der Lage oder ihnen fehlt der Wille, sie ausreichend zu versorgen. Das hatte dramatische Auswirkungen.

„Wir können hier so viel Gutes bewirken“

Einige Kinder hatten sich von kalten China-Nudeln ernährt, bevor sie gesundes Essen bekommen haben. Der „Regenbogen e.V.“ , eine Aids-Initiative auf anthroposophischer Grundlage, kann nun eine Jahresmiete für seine Ladenwohnung bezahlen. Und der „Zirkus Sonnenstich“, ein Freizeit-Projekt für behinderte Kinder und Jugendliche, kann nun ein wöchentliches Regeltraining für Kinder finanzieren.

Die Suppenküche Lichtenrade hat nun das Geld für eine Industrie-Spülmaschine. Und die „abw – gemeinnützige Gesellschaft für Arbeit, Bildung und Wohnen“, die Fahrradkurse für Flüchtlingsfrauen anbietet, besitzt nun Geld, damit sie 15 Fahrräder und -helme sowie Grundwerkzeug kaufen kann. Kein Wunder also, dass Tagesspiegel-Geschäftsführer Kranefuß diese Feier als einen der „schönsten Termine“ bezeichnete. „Wir können hier so viel Gutes bewirken.“

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