Tagesspiegel bittet Leser um Spenden : Obdachlosen-Nachtcafé braucht dringend Hilfe

Im Nachtcafé der Gemeinde Neu-Westend sind Ehrenamtliche für Wohnungslose da. Dringend werden Spenden für einen Industriegeschirrspüler gebraucht. Denn die Isomatten liegen eng an eng.

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Glücksstern. Pfarrer Frank Vöhler und die Ehrenamtlichen Renate Piber, Silvia Radtke-Bonk, Helga Zimmermann, Andreas Babbel und Edda Bahnemann (v.l.) im Nachtcafé.
Glücksstern. Pfarrer Frank Vöhler und die Ehrenamtlichen Renate Piber, Silvia Radtke-Bonk, Helga Zimmermann, Andreas Babbel und...Foto: Georg Moritz

Sie ist wieder großartig, die Spendenbereitschaft der Leserinnen und Leser des Tagesspiegels, im Print wie im Internet. Noch vor dem eigentlichen Start der traditionellen Weihnachtsaktion am ersten Advent sammelte der Tagesspiegel – auch weil so viele Leser in der Redaktion nachgefragt hatten – zusätzlich zu den klassischen Spendenprojekten Geld für die Opfer des Taifuns auf den Philippinen. Mit dem „Bündnis Entwicklung Hilft“ konzipierten wir unverzüglich eine Hilfsaktion. Die Spenden gingen im Minutentakt ein und summierten sich in nur zwei Wochen auf mehr als 256 000 Euro. Seit dem 1. Dezember sammeln wir vornehmlich für unsere 52 Berliner und Brandenburger Hilfsprojekte. Trotz der hohen Philippinen-Summe liegen wir beim „Menschen helfen!“ in der Region bisher fast auf Vorjahresniveau und danken auch unseren treuen Förderern wie den Pressegolfern Berlin-Brandenburg und der Berliner Bank. Doch unsere Spendenvereine, von denen wir in der Serie bis Jahresende stellvertretend einige vorstellen, benötigen dringend mehr Hilfe.

Isomatten auf dem Boden, ein Schlafsack, eine Decke, eine heiße Suppe, belegte Brote und am Morgen ein kräftigendes Frühstück – das alles gibt Dutzenden Wohnungslosen im Nachtcafé des Evangelischen Kirchenkreises Charlottenburg immer in der Nacht von Sonntag auf Montag eine Heimat auf Zeit. Die Notunterkunft im Jugendzentrum der Gemeinde Neu-Westend an der Eichenallee 47–53 würde es aber nicht geben ohne die ehrenamtlichen Helfer. Sie spenden jede Menge Wärme, Energie, Zuneigung und Verständnis. Und Zeit, wie die 58-jährige Edda Bahnemann. Sie arbeitet in einer Steuerberaterorganisation – und engagiert sich ehrenamtlich in vielerlei Hinsicht, beispielsweise in der Gedächtniskirchengemeinde, und sie ist auch als Vorsitzende des Diakonieausschusses für den gesamten Kirchenkreis aktiv. „Im Tagesspiegel habe ich von Ihrer Initiative ,Menschen helfen!’ gelesen und möchte Ihnen das Nachtcafé des Kirchenkreises Berlin-Charlottenburg ganz besonders ans Herz legen“, schrieb Edda Bahnemann in der Bewerbung an den Spendenverein dieser Zeitung.

Immer von Sonntag zu Montag nächtigen rund 35 vom Schicksal gezeichnete und vom Leben vernachlässigte Menschen in dem Haus, das sonst auch ein kirchlicher Jugendtreffpunkt ist. „Was das Nachtcafé dringend benötigt, ist eine schnell arbeitende Industriegeschirrspülmaschine“, sagt Edda Bahnemann. Dafür bitten wir jetzt um Spenden.

Es gibt sogar einen Schichtplan der freiwilligen Helfer für den Speise- und den Schlafraum: Von 18.30 Uhr bis 23 Uhr gibt es drei ehrenamtliche Betreuer. Von 23 Uhr bis 6.30 Uhr betreuen zwei Ehrenamtler die Gäste. Auch wenn diese am Tisch sitzen, nur dösen, nicht schlafen können. Von 6.30 Uhr bis 8.30 Uhr sind zwei bis drei Freiwillige im Einsatz. Auch ein Bundesrichter im Ruhestand hört den Gästen in der Nacht zu und es gibt eine ehrenamtliche Ärztin. Es kommen gestrauchelte Akademiker und auch in der Alltagshatz vom Leben Abhängte. Zunehmend suchen Menschen aus Osteuropa ein Dach über dem Kopf. In der Frühe wird saubergemacht, der Geist der Nacht weicht dem Trubel des jungen Tages.

„Bei mir ist längst jede ängstliche Distanz weg, ich finde es wichtig, jedem Menschen offen und mit Wertschätzung zu begegnen“, sagt die Ehrenamtliche Renate Piber, 71, von Anfang an dabei. Nie vergessen wird sie den Moment, als ein Obdachloser einmal einem anderen sorgsam die Füße gewaschen hat. Über mehr männliche Ehrenamtliche würde sich das Nachtcafé sehr freuen. Derzeit bitten noch Frauen auf dem Wochenmarkt am Sonnabend um übrig gebliebenen Käse und Wurst und sammeln in den umliegenden Bäckereien Liegengebliebenes ein.

Der Pfarrer und stellvertretende Superintendent Frank Vöhler freut sich über die engagierten Menschen und eine von der Kältehilfe finanzierte halbe Koordinationsstelle für die engagierten Gemeinden. Auch Flüchtlinge unterstützen sie. Und brauchen nun selbst Hilfe.

Spenden bitte an: Spendenaktion Der Tagesspiegel e. V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse (BLZ 100 500 00), Konto 250 030 942 – Namen und Anschrift für den Spendenbeleg notieren. BIC: BELADEBE,

IBAN: DE43 1005 0000 0250 0309 42

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