Berlin : Tagesspiegel-Spendenaktion für Obdachlose: Lebend durch die nächste Winternacht

Amory Burchard

Der Winter kam spät, aber heftig: Wer jetzt nicht draußen sein muss, bleibt lieber zu Hause. Was aber machen diejenigen, die kein Zuhause haben?

Viele Berliner sind so weit an den Rand der Gesellschaft gedriftet, dass sie den Anschluss an einen geregelten Alltag verpasst haben. Etwa 25 000 Menschen haben keine eigene Wohnung, zwischen 2000 und 4000 leben auf der Straße. "Es geht oft darum, sie lebend durch die nächste Winternacht zu bringen", sagt ein Straßensozialarbeiter von der Treberhilfe.

Der Tagesspiegel bittet um Spenden für zehn Obdachlosenprojekte, die wir hier noch einmal vorstellen.

Suppenküche in Pankow

300 Portionen Eintopf geben Bruder Peter und seine Mitarbeiter täglich aus. Gekocht wird im Franziskanerkloster in der Wollankstraße. Viele Lebensmittel spenden Supermärkte. Kartoffeln und Büchsenfleisch aber werden gekauft. Geldspenden braucht die Suppenküche auch für ihre Hygienestation: Hier bekommen Bedürftige nach dem Duschen Unterwäsche und Socken.

Gesundheits- und Kulturzentrum

Die "Gitschiner 15" ist ein Anfang Dezember gegründetes Projekt für Wohnungslose und sozial Schwache: Hier gibt es ein Café, eine Ambulanz und eine Kleiderkammer, aber auch eine Holzwerkstatt, einen Kino- und Theatersaal und ein Musikzimmer. Mit dem Spendengeld soll die noch karge Ausstattung verbessert werden.

Wohnprojekt am Chamissoplatz

In dem Haus der Stadtmission leben 23 frühere Obdachlose. Sozialarbeiter helfen ihnen, damit sie bald wieder auf eigenen Füßen stehen können. Am Chamissoplatz können sie für kurze Zeit in einer bescheidenen Wohnung leben. Von den Leserspenden sollen Duschen beschafft werden.

Kriseneinrichtung für Mädchen

"Papatya" heißt eine Zufluchtswohnung für türkische und arabische Mädchen, die misshandelt oder verstoßen wurden. Jeweils acht Mädchen werden von sieben Sozialarbeiterinnen betreut, in Schulen gebracht oder in Ausbildungen vermittelt. Sie wünschen sich Möbel für ihr Wohnzimmer.

Anlaufstelle "Subway"

Straßenkinder prostituieren sich oft, um nachts nicht draußen schlafen zu müssen. Stricher achten wenig auf ihre Gesundheit. Diesen Teufelskreis von Ausgeliefertsein und Vernachlässigung versucht "Subway", ein vom Landesjugendamt und von der Aids-Selbsthilfe getragenes Projekt, zu durchbrechen. Die Mittel für das Tagescafé, die Ambulanz und die Straßensozialarbeit sind aber knapp.

Kältehilfe-Telefon

In Berlin gibt es 720 Notübernachtungen und Plätze in Nachtcafés. Wo noch ein Bett oder zumindest ein warmer Sitzplatz frei ist, erfahren Obachlose und Helfer beim Kältehilfe-Telefon. Die Initiative des Diakonischen Werkes Neukölln gibt eine Broschüre mit allen Adressen und Telefonnummern heraus und hat täglich einen Telefondienst. Was fehlt ist Geld für Druckkosten, Büromaterialen und Telefonkosten.

Tagesstätte in der Meteorstraße

Das Projekt in der Meteorstraße (Reinickendorf) ist bedroht: Weil der Bezirk sparen muss, soll eine von drei Sozialarbeiterinnenstellen wegfallen. Und damit wichtige Angebote für die 70 Obdachlosen, die hier an fünf Tagen in der Woche sehr viel mehr als Brote, Tee und Kaffee bekommen. Die Tagesspiegel-Spende könnte Sozialhilfeberatung und Ausflüge ins Kulturleben retten.

Junge Obdachlose "Unter Druck"

Die Werke, die junge Menschen ohne Wohnung in der Siebdruckwerkstatt des Treffpunkts "Unter Druck" schaffen, sind beeindruckend. "Die Leute gieren danach, etwas Sinnvolles zu tun", sagt der Künstler und Sozialarbeiter Beat Gipp. Eine Heizung, ein Telefon und Arbeitsmaterialien bräuchte die Werkstatt in Mitte, um noch besser arbeiten zu können und bald die ersehnte Ausstellung auf die Beine zu stellen.

Wohnplätze für psychisch Kranke

Probleme, mit sich und ihrer Umwelt zurechtzukommen, haben alle Obdachlosen. Besonders schwer ist es aber für psychisch Kranke. Sie halten es in keiner Gemeinschaft lange aus. Ein Weg ist es, sie einfach "in Ruhe zu lassen". Wie beim Kreuzberger Wohnprojekt Prowo e.V., wo jeweils sechs Obdachlose nach einer Odyssee durch Kliniken und andere Einrichtungen unterkommen.

Straßensozialarbeit der Treberhilfe

Ein heißer Kaffee, ein Becher Hühnerbrühe - so werden die "Kinder vom Bahnhof Zoo" im Campingbus der Treberhilfe begrüßt. Einmal pro Woche steht der Bus dort, sonst an anderen Brennpunkten der Straßenszene. Sozialarbeiter bieten Gespräche und Hilfe an, in eine WG zu gehen und vielleicht auch wieder zur Schule. Der Camper ist alt und reparaturanfällig - einen neuen sollen die Spenden der Tagesspiegel-Leser bringen.

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