• Tagesspiegel-Spendenaktion: Ohne eine Waschmaschine läuft in der Notübernachtung nichts

Berlin : Tagesspiegel-Spendenaktion: Ohne eine Waschmaschine läuft in der Notübernachtung nichts

Tanja Buntrock

Wenn es draußen kalt ist und früh schummrig wird, brechen für Horst-Dieter Kulasiewicz wahrlich düstere Zeiten an: Der 47-Jährige ist obdachlos - sein Zuhause sind die Straßen von Berlin. Aber er weiß, wohin er sich ohne zu frieren und zu hungern zurückziehen kann: In das Notübernachtungsheim Franklinstraße, in der gleichnamigen Straße in Charlottenburg, Hausnummer 27. Dort schlürft er zunächst in Ruhe eine Tasse Kaffee im Speiseraum und zündet sich eine Zigarette an. Seine paar Sachen, die er immer bei sich trägt, hat er schon hochgebracht - er wird die Nacht in einem der 23 Zimmer verbringen, in denen die Wohnungslosen dieser Stadt schlafen können. Drei Nächte beherbergt das Haus die Obdachlosen in der Regel - Ausnahmen gibt es aber auch, beispielsweise bei Krankheit. Über insgesamt 73 Betten verfügt das Heim, dessen Träger der Caritasverband Berlin und die Berliner Stadtmission sind.

Jürgen Mark, 40 Jahre alt und Sozialarbeiter, ist der Heimleiter. Seit 1986 kommen in dem Haus ausschließlich Menschen unter, die mittel- und wohnungslos sind. Zuvor gehörte es der Bahnhofsmission und durfte auch von Reisenden - beispielsweise DDR-Rentnern - zum Übernachten genutzt werden. "Aber die Not der Obdachlosen wurde Mitte der achtziger Jahre größer, und die Senatsverwaltung musste sich etwas einfallen lassen", sagt Jürgen Mark. Seither nimmt der Heimleiter mit seinen Mitarbeitern täglich in der Zeit von 15 bis 21 Uhr 30 Obdachlose in der Franklinstraße auf - zu jeder Jahreszeit. Von neun bis 15 Uhr ist das Heim geschlossen, aber rund um die Uhr telefonisch zu erreichen.

Wer bereits nachmittags kommt, erhält einen "kleinen Imbiss": übrig gebliebene Mahlzeiten, die die "Berliner Tafel" verteilt, belegte Brötchen oder auch Kuchen. Abends kann sich jeder bei einem warmen Essen stärken, das die Mitarbeiter selbst zubereiten. "Meistens ist das ordentliche Hausmannskost", sagt Mark. Zum Frühstück erhalten die Beherbergten "Brötchen, Marmelade und Aufschnitt, sonntags auch mal ein Ei". Dadurch, dass Mark die Brötchen vom Vortag von der Berliner Tafel liefern lässt und nicht von einer großen Bäcker-Kette, spart er rund 15 000 Mark. Eine erhebliche Summe, denn derzeit muss der Heimleiter mit 1,4 Millionen Mark haushalten - im kommenden Jahr wegen der anstehenden Kürzungen sogar mit weniger. "Das ist nicht sehr viel, wenn man bedenkt, was wir davon - abgesehen von den Gehältern - alles zahlen müssen", erklärt Mark. Viele der Obdachlosen, die kommen, besitzen nur das, was sie am Leib tragen. Gerade an Unterwäsche und Socken mangelt es der Einrichtung, "denn diese Sachen sind meist nicht in den Kleiderspenden erhalten", sagt Mark. "Wir würden gerne Unterwäsche einkaufen, um einigen Obdachlosen aushelfen zu können, wenn sie ihre waschen." Ebenso dringend braucht der Heimleiter Handtücher. 300 bis 400 Stück gehen ihm "durch die Lappen" - so begehrt sind die Frottier-Tücher.

Die Spülmaschine gibt immer mal wieder den Geist auf: 6 000 Mark hat sie allein schon an Reparaturkosten verschlungen, demnächst ist eine neue fällig. Die Industrie-Waschmaschine, die für das Waschen der Bettwäsche und der Handtücher unentbehrlich ist, hatte nach Ablauf der Garantie ihre ersten Macken und müsste ebenso erneuert werden. Aber auch der Arzt, der montags und mittwochs vorbeikommt, benötigt Geld für Medikamente. "Im Winter haben wir vor allem Grippe-Patienten, im Sommer kommen die Leute meist mit offenen Wunden, die sie sich vom Barfußlaufen geholt haben."

Zu Weihnachten würde der Heimleiter den Obdachlosen wieder ein kleines Präsent mitgeben: Ein Satz Unterwäsche, ein Duschgel, für die Frauen ein Duftwässerchen, eine Orange, Schokolade und ein paar Nüsse. Nicht viel - aber immerhin etwas.

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