Berlin : Tamiflu für jeden Fünften in Berlin

Senat plant Nachkauf Lieferung aber erst 2007

Ingo Bach

Die Medikamente Tamiflu und Relenza gelten als einziger Schutz für die erste Welle einer tödlichen Grippeepidemie, die eventuell eines Tages aus der Tierseuche Vogelgrippe entstehen könnte. Denn ein Impfstoff stünde erst frühestens drei Monate nach dem ersten Auftreten eines mutierten Erregers zur Verfügung. Am Donnerstag beschlossen die Gesundheitsminister der Bundesländer, dass man die Vorräte von diesen antiviralen Medikamenten zur Vorbereitung auf eine weltweite Grippeepidemie aufstocken werde. Insgesamt sollen für 20 Prozent der Bevölkerung die Grippe-Mittel angeschafft werden. Für das Land Berlin bedeutet dies, dass es rund 6,6 Millionen Euro zusätzlich aufwenden muss. Rund 680 000 Behandlungseinheiten sind nötig. Bisher hat der Senat einen Vorrat von 245 000 Therapiedosen Tamiflu angeschafft, der zentral im Saarland gelagert wird. Das genügt für 7,2 Prozent aller Berliner.

„Die Mehrausgaben müssten Senat und Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses genehmigen“, sagt die Sprecherin der Senatsgesundheitsverwaltung, Roswitha Steinbrenner. Obwohl der Vorrat aufgestockt werden soll, stehen die Medikamente wahrscheinlich erst 2007 zur Verfügung. „Es gibt schon jetzt einen Lieferengpass“, sagt Steinbrenner.

Der Hersteller von Tamiflu, der schweizerische Pharmakonzern Roche, hat aber mitgeteilt, man könne wahrscheinlich bereits 2006 Nachbestellungen der Bundesländer ausliefern. Das Unternehmen Glaxo-Smith-Kline, das das Konkurrenzprodukt Relenza herstellt, arbeitet noch an einer Erweiterung seiner Kapazitäten, so ein Sprecher. Deshalb könne man noch keine Aussagen machen, wann Nachlieferungen möglich wären. Derzeit stünden rund 50 Staaten auf einer Warteliste.

Erstmalig beschlossen die Länder bereits im Juni 2005, einen Vorrat an antiviralen Arzneien aufzubauen. Rund 17 Millionen Therapiedosen Tamiflu und Relenza waren bereits reserviert, die zur einmaligen Behandlung von etwas mehr als 20 Prozent der deutschen Bevölkerung ausgereicht hätten. Doch die Skeptiker und die klammen Finanzen führten dazu, dass damals tatsächlich nur acht Millionen Dosen gekauft wurden. Denn die Mittel können die Dauer der Erkrankung um anderthalb Tage verkürzen und Komplikationen mildern. Ob sie tatsächlich auch Todesfälle verhindern können, ist nicht bewiesen.

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