Berlin : Tanz den Euro

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VON TAG ZU TAG

Andreas Conrad über

die Scheinprobleme der Love Parade

Für Jürgen von der Lippe war es noch ein Gegensatz: Geld oder Liebe. Über so viel Weltferne können wir in Berlin, der Stadt der Love Parade, nur lachen, sind doch hier die vermeintlich antagonistischen Kräfte allsommerlich aufs Innigste verwoben. Das schließt Variationen nicht aus: Erst Geld, dann Liebe; ohne Geld keine Liebe; die Liebe zum Geld; lieber Geld als Liebe. Die aktuelle Version ist ärgerlich: jede Menge Liebe, aber kein Geld, jedenfalls nicht genug. Nach der diesjährigen Love Parade 500 000 Euro Miese bei der mitbeteiligten Messe-Tochter – in Sparzeiten ein Fehlbetrag, der einiges Leibgrimmen bereitet. Daran vermögen auch energische Durchhalteparolen aus Politikermund nichts zu ändern, schließlich sind ihnen ebenso energische Sparappelle vorausgegangen und werden wieder folgen. Die Lösung liegt vielmehr im Mathematischen und so nahe, dass Kopfrechnen genügt, um darauf zu stoßen: 500 000 Raver haben 500 000 Euro Verlust eingefahren, das macht pro Techno-Jünger genau einen Euro. Den hätten wir als Steuerzahler, die ja letztlich das Loch zu stopfen haben, gerne zurück, Raver für Raver. Ist das zu viel verlangt: Einen Silberling für einen ganzen Nachmittag Liebe? Leicht ließen sich an den Zäunen, die das Paradefeld weiträumig absperren, Drehkreuze mit Münzeinwurf installieren, wahlweise für Scheine mit Wechselgeldausgabe. Auch eine folkloristische Veredelung ist denkbar, etwa durch die automatische Aufforderung „Hassema ’n Euro?“ Jeder Liebestourist wüsste gleich: Er ist in Berlin.

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