Berlin : Tanz den Mercedes mit mir

Der ADAC-Ball wird aufpoliert

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Foto: SchroewigFoto: SCHROEWIG/Baganz

War der ADAC-Ball eine Fortsetzung der Mercedes-Benz Fashion Week mit tanzenden Mitteln? Der Gedanke lag zeitweise nahe, aber zunächst muss festgestellt werden: Hausaufgaben gemacht, und das Ergebnis war richtig gut, von der einen Flanke mal abgesehen. In der Nacht zu Sonntag schwebten im Maritim-Hotel die Gäste von einem klingenden Parkett zum nächsten. Nicht mal während des Menüs mussten die Gäste auf Musik und Tanz verzichten. Souverän balancierten die Kellner ihre Rindertournedos zwischen den flanierenden Paaren. So gut gelungen wie diesmal war auch das Essen im Maritim-Hotel noch nie. Im großen Saal spielte das Swing Dance Orchester, später der auch in seinen Siebzigern noch mitreißend rockende Peter Kraus. Im effektvoll ausgeleuchteten Club Salon Berlin gab’s Musik unter anderem von Jocelyn B. Smith und DJ John Munich.

Nostalgisch erinnerte sich der ADAC-Ehrenvorsitzende Wolf Wegener an die Zeiten, als er noch an zwei aufeinanderfolgenden Abenden das ICC mit jeweils 4000 Leuten füllte, während gleich neben ihm das Ehepaar Diepgen einen schwungvollen Rock ’n’ Roll aufs Parkett legte. Der ADAC-Ball galt lange als der volkstümlichste unter den Bällen. Früher konnte man an den Damen auch schon mal graue Faltenröcke beobachten. Gisela Woite, die 40 Jahre lang für den Berliner Journalistenverband den Presseball organisiert hat, zeigte sich beeindruckt von der neuen Eleganz beim ADAC-Ball, der dem traditionell exklusiven Ball der Berliner Kaufleute „dicht auf den Fersen“ sei.

Berlin ist freilich insgesamt eleganter und modebewusster geworden, auch in seinem volkstümlichen Weichbild. Zeitgleich feierte Michael Michalsky, der durch seine glamourösen Events während der Fashion Week zum Darling der jungen Gesellschaft wurde, die Eröffnung der Fashion Bar „Catwalk“ mit Models und Designern im Marriott-Hotel.

Wenn es eine Brücke zwischen dem Catwalk und dem ADAC-Parkett gibt, heißt sie wohl Mercedes, denn die Fashion Week ist ja vor allem deshalb erfunden worden, um die klassische Karosse für arrivierte Männer zum Habenwollen-Gefährt für gut verdienende junge Frauen zu machen. Der ADAC-Vorsitzende Walter Müller ist in Personalunion eben auch Mercedes-Chef der Region. Die Frauen, die man über die Modeschiene nicht erreicht, bekommt man vielleicht über den ADAC, wenn ein gelber Engel bei der Reifenpanne hilft.

Mercedes dominierte mit verschiedenen ausgestellten Modellen auch den von Nazan Eckes moderierten ADAC-Ball. So konnten sich die Gäste kurz vor der Markteinführung in den neuen CLS setzen, der auf den Fashion-Week-Postern mit Supermodel Karolina Kurkova zu sehen war. Zwar ist Müller nicht zur Neutralität verpflichtet, aber er sollte im Auge behalten, dass der ADAC und Mercedes zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Wäre doch schade, wenn ein so weit perfektioniertes Produkt wie der ADAC-Ball Schaden nähme, weil sich die Golf-Fahrer unter den Mitgliedern da nicht mehr richtig wiederfinden können. Elisabeth Binder

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